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Tag: Was ist mit den Bienen los

Natur und Geist

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Programm
Für die gesunde Seele

Es ist nicht mehr viel davon zu lesen in den Medien. Doch immer mehr Imker beklagen massive Verluste ihrer Bienenvölker. Der Artikel ist immer noch aktuell. (erschienen Sommer 2007, Spuren)

Bienen sterben
Was ist mit den Bienen los? Seit Menschengedenken haben uns diese Tiere begleitet und geleitet. Jetzt wird es in den Bienenstöcken still.
Von Eva Rosenfelder

Weissdorn verströmt seinen betäubenden Duft, prachtvoll steht er da in seinem Blütenkleid, gewärmt von der Sommersonne, umschwärmt von kleinen geflügelten Pelztierchen: Bienen. Wundervoll ist es, hier zu verweilen und gleich der Biene, die mit ihrem Rüssel den süssen Nektar saugt, die Seele zu nähren an diesem Ort … Hier ist reine, pulsierende Liebe, die sich einatmen lässt, die hörbar ist im Summen; Summen, das aus einer göttlichen Welt zu kommen scheint …
Seit jeher bringen Bienen Menschen ins Schwärmen, die Beziehung zur Honigbiene ist uralt. Steinzeitliche Bilder des Honigjägers belegen eine frühe Bienennutzung, und aus ägyptischer Pharaonenzeit, aus der minoischen Kultur Kretas existieren Zeugnisse erster Imkerei. Seitdem sind Bienen zu so etwas wie Haustieren geworden, ihr Bestand schien durch den Menschen nicht bedroht, doch mehr und mehr scheint das Gleichgewicht auch hier gestört.
Diesen Frühling haben alarmierende Nachrichten die Öffentlichkeit aufgeschreckt: In den USA soll ein massenhaftes Bienensterben stattfinden. Bis zu 80 Prozent der Bienenvölker in Nordamerika seien zugrunde gegangen. Besorgniserregend ist, dass niemand die Ursache für das Bienensterben kennt. In den Bienen, die noch vorhanden waren, wurden fast alle bekannten Bienenviren, Infektionen und Pilze gleichzeitig gefunden: Ihr Immunsystem schien total zusammengebrochen. «Ungeregelter Kollaps der Völker», «Colony Collaps Disorder, CCD» oder «Aids im Bienenstock» wurde das Phänomen genannt.
Die Imker finden ihre Kästen meist bienenleer auf, darin gibt es weder tote noch lebende Bienen, wohl aber Honig und verhungerte Brut. Sehr auffällig ist dabei, dass die leeren Bienenkolonien samt Wabenbau und Honigvorrat nicht von Schadinsekten aufgesucht werden. Es ist, als ob etwas derart Giftiges in den Stöcken ist, dass selbst Nesträuber sie meiden.
«Der dramatische Ruf der Bienen» ist auch in Europa bekannt. In den letzten Jahren gab es immer wieder Völkerverluste in verschiedenen Ländern und Regionen, dieses Jahr vor allem in Spanien, Polen und in der Schweiz.

Bienenkrise – Imkerkrise
Es gibt Imker, die haben alle Völker verloren. Oft ist dies dann auch ein Grund, um mit der Haltung von Bienen aufzuhören, was eine tragische Folge ist, denn die Bienen brauchen die Imker. Die Gesundheit der Bienen hat dramatisch abgenommen. Vermutlich spielen verschiedene Faktoren zusammen, die zur Schwächung des Immunsystems und schliesslich zum Kollaps eines Volkes führen. Weltweit steckt die Imkerei in einer existenziellen Krise, das wahre Ausmass dieser Krise lässt sich heute noch überdecken durch Medikamente und Zuckerfütterung.
Doch macht sich der Mensch tatsächlich Sorgen um die Bienen? Oder eher um Ertragseinbussen, um steigende Weltmarktpreise und um die eigene Ernährung? Ein Drittel unserer Nahrung hängt nämlich direkt ab von der Arbeit der Bienen …

Bienen-Züchtigung
Rudolf Steiner hat in seinen Arbeitervorträgen 1923 in Dornach über das Wesen der Biene gesprochen. In weiser Voraussicht sagte er, dass die Bienenzucht in achtzig oder hundert Jahren in eine grosse Krise geraten werde. Als Grund dafür sah der Begründer der Anthroposophie vor allem die künstlich gezüchteten Königinnen. Heute findet mit Bienen ein globaler Handel statt: Königinnen aus aller Welt werden per Briefpost verschickt und an neuen Standorten eingesetzt. Was dabei zählt, ist der Profit, der sich durch die Einpflanzung einer neuen Königin mit einem Bienenvolk erzielen lässt. Durch diese Massnahme sollen neue Rassen hervorgebracht werden, die weniger aggressiv, dafür aber produktiver sind. Leider können sich solche Bienenvölker aber schlechter gegen Eindringlinge wehren. Die von Imkern gefürchtete Varroamilbe ist so aus Asien importiert worden. Die dortigen Bienen sind fähig, mit ihrer Putzstrategie die Milbe zu vernichten. Unsere Bienen haben dieses Verhalten noch nicht entwickelt.
Steiner erklärte, «dass durch solche Methoden im Bienenvolk Kräfte, die sonst organisch wirken, mechanisch gemacht werden und den inneren Zusammenhalt der Völker beeinträchtigen. Ein Bienenvolk ist eine innige Einheit. Niemals ist eine solche Verbundenheit herzustellen zwischen einer eingepflanzten Königin und den Arbeitsbienen, wie sie besteht, wenn eine Bienenkönigin von der Natur selber da ist.
In ältesten Zeiten galt die Biene als heiliges Tier, weil sie in ihrer ganzen Arbeit erkennen lässt, wie es im Menschen zugeht. Im Bienenstock geht es nämlich gerade so zu, nur mit ein bisschen Veränderung, wie im Menschenkopf, in dem sich dieselben drei Kräfte befinden: Nervenzellen wären die Drohnen, Blutzellen die Arbeitsbienen und Eiweisszellen die Königin. Der Mensch baut sich einen Leib, der scheinbar zu ihm gehört, die Biene baut auch einen Leib: die Waben, das sind ihre Zellen.» (Zitat Rudolf Steiner, 1923)
Der Schweizer Wanderimker Christoph Surbeck arbeitet nach Demeter-Richtlinien. Er hält seine Bienen möglichst wesensgemäss: So unterdrückt er den Schwarmtrieb nicht und lässt die Jungkönigin Hochzeit halten. Surbecks Bienen leben in Naturwaben und erhalten eigenen Honig als Nahrung. Falls Zusatzfütterung nötig ist, verwendet dieser Imker nur Biozucker und diesen immer mit einem Anteil Honig. Chemische oder synthetische Mittel zur Behandlung von Krankheiten sind bei ihm verboten, er braucht nur organische Säuren und ätherische Öle, mit denen er chemische Rückstände im Honig verhindert.
Biologisch ist dieser Honig trotzdem nicht, denn die Bienen sammeln ja überall. Surbeck betreibt Wanderimkerei, das heisst seine Bienen wechseln den Standort und kommen so mit Blüten aller Art in Verbindung. Ein Problem ist ja auch, dass die Biodiversität in unseren Monokulturlandschaften zurückgeht. Im Sommer etwa reist er mit seinen Völkern nach Davos, wo sie sich an einem Meer von Alpenrosen laben dürfen. Christoph Surbeck hatte bislang kein Problem mit Bienenkrankheiten, und an ein Bienensterben will er nicht glauben. Er hofft, dass er mit der artgerechten Haltung alles im Griff behalten kann.

Bienen-Haus-Tiere
Einst wurden die Völker in Baumhöhlen im Wald genutzt. Mit Rauch vertrieb man die Bienen, um an den Honig heranzukommen. Später hielt man Bienen in Körben, dann wechselte die Imkerpraxis mehr und mehr auf Kasten mit beweglichen Waben, was den Zugang zum Honig erleichterte. Auch das Vorgehen der Völkervermehrung änderte sich: Schwarmbienenzucht wurde abgelöst durch künstliche Jungvolkbildung und Königinnenzucht. So kam der Aufschwung, durch die zunehmende Völkerdichte und den regen Austausch von Bienen traten aber auch zunehmend Seuchen auf.
Vor hundert Jahren entstand in Liebefeld/BE die eidgenössische Fachstelle für Bienenforschung. Bereits damals gab es erste Hilferufe aus Imkerkreisen. Heute werden von der Stelle viele Aufgaben übernommen: Koordination von Forschungsergebnissen in ganz Europa, Viren- und Bakterienforschung, Beratung und Unterstützung der Imker. Zum 100-Jahr-Jubiläum wurde vor Kurzem in Bern eine Fachtagung und Medien-Information abgehalten zum Thema «Bienensterben – wie weiter?». Weil die Studien alle sehr komplex sind, gibt es von der Fachstelle noch keine klaren Erkenntnisse zu den Gründen des Bienensterbens. Das Hauptgewicht der Forschung liegt beim Zusammentreffen von Bienenviren mit Varroamilben. Die Milbensubstanz scheint die natürliche Immunabwehr der Bienen gegen Viren zu unterdrücken, berichtet Peter Neumann vom Zentrum für Bienenforschung. So wird die Biene enorm geschwächt, sie wird anfällig für Stress und zeigt Verhaltensänderungen. Da Bienenviren oft latent vorhanden sind, sind sie schwierig zu identifizieren und wurden lange unterschätzt. Inzwischen konnten die Forscher sie überall nachweisen: in Pollen, Honig, Futtersaft, Kot, Geschlechtsorganen der Drohnen sowie in den Eiern der Königinnen. Auch die Nachkommen sind also bereits infiziert. So wird die einst wilde Biene endgültig zum Haustier, denn ohne eine Varroa-Behandlung des Imkers können die Tiere heute nicht mehr überleben.

Desorientierte Biene
Dass Bienen auf elektromagnetische Strahlungen sensibel reagieren, liegt auf der Hand. Die Tiere orientieren sich an der Sonne und am Erdmagnetismus. Am Hinterleib der Biene befindet sich eine Vielzahl winziger, parallel ausgerichteter, eisenhaltiger Kristalle, die verantwortlich sind für die Wahrnehmung der Feldlinien des Erdmagnetismus. Dank diesem inneren Kompass und anhand des Sonnenstandes orientiert sich die Biene.
Wie sollte ein derart sensibles Ortungssystem nicht auf die Strahlen von Mobilfunkantennen und auf Elektrosmog reagieren? Auch von der Fachstelle in Liebefeld wird über diesen Zusammenhang geforscht. Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse liegen dazu aber noch nicht vor. Schnurlos-Telefone strahlen mehrere hundert Meter weit durch Wohnungen und Häuser. Wer aber wäre bereit, zugunsten der Bienen einen sofortigen Rückbau aller zivilen und militärischen elektromagnetischen Strahlungen auf das Niveau vor der Einführung von Handynetzen, Wireless-Netzwerken und Schnurlos-Telefonie in Kauf zu nehmen?

Die Liebe als Weg
«Mein Weg zu reagieren, ist die Liebe zu allem», sagt Regula Meyer, Tierkommunikatorin und Autorin des Buches Tierisch gut. «Die Liebe zu den Bienen und ganz fest zu den Menschen, die immer wieder zu Tätern werden. Je mehr wir unser Bewusstsein fördern und wir selber die Zusammenhänge der Natur begreifen, desto mehr werden wir Menschen mit der Tatsache leben müssen, dass wir immer auch zerstören und vernichten, was uns wichtig ist und uns nährt. Es ist gefährlich aus dieser Ohnmacht heraus, Hass und Zwietracht zu säen im Herzen gegen unsere eigene Art. Dann gibt es nur sehr schwer eine Lösung …
Wenn die Bienen uns eine Botschaft geben, dann ist es die zum Wesen des Seins, und wir sollten uns prüfend umsehen, wo dieses Sein krankt. Wo wir dem Lebendigen die Liebe entziehen und unser Sein dem Scheinbaren opfern … Das ist meiner Ansicht nach der Gedankengang, der sich lohnt, und kaum jener der Schuldfrage, die mir möglich macht, den Sündenbock zu finden, und mich motiviert, noch mehr in den Schein zu flüchten …»

Heilende Biene
Jonas Zenhäusern stammt aus einer Imkerdynastie, er ist Imker in vierter Generation. Im Kopf hatte er ursprünglich eine Wirtschaftskarriere, aber die Bienen haben ihn «geholt». Ein schwerer Unfall seines Vaters brachte eine totale Kehrtwende, eine Art Initiation. Am Sterbebett des Vaters wurde ihm klar, dass er sein Leben ändern musste. Er kehrte zurück ins Wallis und übernahm das Lebenswerk seines Vaters: die Imkerei und die Herstellung einer Klostersalbe, die aus verschiedenen Bienenprodukten hergestellt wurde, nach einem Rezept von Benediktinermönchen aus Italien. Seine Karriere in der Wirtschaft hängte er an den Nagel.
Heute ist er Familienvater und Bienenvater, er hat die Firma erweitert mit vielen Bienenprodukten und Bienenkosmetika und praktiziert die uralte Heilmethode der Api-Therapie, bei der Bienenprodukte zur Prävention, Heilung und Genesung von Krankheiten eingesetzt werden, das Gift der Biene wird auch als Heilmittel verwendet:
Die Biene wird zum Stechen auf bestimmte Akupunkturpunkte angesetzt und bringt so die Meridiane wieder zum Fliessen. Zum Schutz des Bienenstachels wird ein Sieb aufgesetzt, sodass die Biene nicht stirbt bei ihrer «Spende». Die Api-Therapie gilt als Ursprung der chinesischen Akupunktur.
Was Bienenprodukte im menschlichen Körper alles vermögen, ist ein riesiges Geschenk. Das Bienenwesen ist im Einklang mit allen Elementen. Die sechseckige Wabe ist Symbol totaler Harmonie zwischen Himmel und Erde. Die fünf Bienenprodukte entsprechen den fünf chinesischen Elementen. Man glaubt Jonas Zenhäusern, was er sagt! Wie alle Imker, denen ich begegnet bin, strahlt er grosse Ruhe und Zufriedenheit aus. Dies scheint dem Imkervölklein gemeinsam zu sein – wohl auch eines der Bienengeschenke.
«Seit dreissig Millionen Jahren zeigen uns die Bienen jeden Tag, wie wir den Kreislauf verstehen sollen – und wir haben es nicht begriffen», meint er, der noch immer staunt über das alte Heilwissen, das die Bienen ihm eröffnet haben. Er möchte die Tür zu diesem Schatz öffnen und ihn teilen, mehr und mehr wird er zu einem «Botschafter der Bienen».
Jonas Zenhäusern ist überzeugt, dass die Bienen auch diese Krise überstehen werden. «Seit hundert Millionen Jahren haben sie es geschafft zu überleben, sie verfügen über eine enorme Hirnleistung, vor allem als Bienengemeinschaft. Sie werden es auch diesmal schaffen.» Wichtig findet er, dass sich das Bewusstsein des Menschen für die Biene öffnet. «Wir müssen ihr mehr Lebensraum zur Verfügung stellen und Umzonungen dort vermeiden, wo Bienenhäuser stehen. Auch sollten unbedingt Imker unterstützt werden, Jungimker motiviert und Ausbildungen angeboten werden.»

Lichtwesen Biene
«Die Biene ist ein Insekt der Sonne, des Lichts und der Wärme. Im Bienenstock ist es immer 20 bis 25 Grad warm, das zeigt die Verwandtschaft zum menschlichen Wärmeorganismus. Mit ihrem Gift (Apis) kann die Biene Kälte und Verhärtung begegnen. Sie bringt kosmische Kräfte auf die Erde und die Fruchtbarkeit der Bienenkönigin. Die Bienen sammeln die Weisheit und die Liebe der Sonne. Honig ist gesammelte Sonnenliebe. Der Mensch soll seine eigene innere Sonne, seine Liebesfähigkeit entwickeln.
Wo Blüten sind, sind auch Bienen. Wo Bienen sind, beginnt es zu blühen. Wenn die Bienen in der Nähe des Menschen sind, fängt er an zu blühen und wird fruchtbar», schreibt Jürgen Reinhardt in Sanfte Medizin.
Vielleicht ist sogar ihr Sterben ein Akt der Liebe. Damit zeigt die Biene uns, dass wir drauf und dran sind, die Liebe zu verlieren. Wir erkalten und verhärten innerlich, sind nicht mehr fähig, die kosmischen Kräfte zu verstehen, werden geistig und körperlich immer unfruchtbarer. Die fliegenden Pelztierchen sind müde geworden. Sie haben uns so viel von ihrer Liebe geschenkt, und doch war es nie genug. Nun ist es an uns zu erwachen, bevor das summende Licht erlöscht …

Die Wunderbarren

Frühling 2007 Die wunderbare Kolumne von Eva Rosenfelder

Hans hiess der Kerl. Die nannten ihn sogar «Hans im Glück». Er hatte einen Goldklumpen und wusste nichts Besseres, als diesen einzutauschen gegen eine Kuh, diese gegen eine Ziege und so weiter. Hans tauschte und tauschte und fühlte sich köstlich.
Ganz wunderbar fühlte er sich aber erst, als er mit leeren Händen dastand. Da war er befreit. Denn schliesslich ist so ein Goldklumpen auch eine richtige Last.
Aber damit – da bin ich überzeugt – hat er einen grossen Fehler begangen. Es war nämlich ein alter, besitzgieriger Troll, der ihm die Kuh angeboten hatte. Und der lachte sich in seine Fadenhaare, packte den Goldklumpen und schleifte ihn hinab in die Erde. Seither haben die Trolle sich das Gold zu Eigen gemacht. Verständlich ja, dass es den dunklen Trampeln gefällt! Es glänzt prachtvoll wie die Sonne und lässt alles in fröhlichem, königlichem Licht erscheinen.
Heute sehen die Trolle natürlich etwas zeitgemässer aus, ist ja auch schon viel Zeit vergangen seither. Sie tragen Krawatten, feine Anzüge, schwarze Schuhe und haben gefeilte Krallen. Sie stehen hinter Bankschaltern und schneiden diensteifrige Fratzen. Sie verbergen ihre Gier, wenn die Hans und Hansköbinen ihre Goldstücke zu ihnen bringen und sie sicher im Safe versorgen lassen. Sie geben ihnen dafür Papier, sehr viel Papier sogar, das ist herrlich leicht, richtig befreiend.
Bei Nacht – es muss eine helle Vollmondnacht sein – da kann man die Trolle sehen, wie sie hinter geschlossenen Toren Goldstücke zählen, Goldklumpen wälzen und sich im Licht der Fülle baden.
Die Menschen aber haben die Heilkraft des Goldes verloren. Natürlich spüren sie das, aber sie suchen woanders: Ihnen fehlt das Geld. Sie rennen dem Papier hinterher, wollen immer mehr davon. Doch sie bleiben leer, sie bleiben hungrig. Da arbeiten sie Tag für Tag und sitzen darbend am vollen Tisch. Alles kann man kaufen mit Geld – nur das Leuchten nicht.
Ich habe eine Bekannte, die sich ihr Geld eingetauscht hat. Viel Geld! Sie ging eines Tages zur Bank und verlangte einen Goldbarren. Der Troll, nein, natürlich der nette Herr am Schalter glaubte, er habe sich verhört. Doch dann musste er sie in die Katakomben der Bank mitnehmen, tief hinunter, durch versteckte Gänge. Und dort holte sie mit ihm ihren Goldbarren. «Sollen wir ihn für Sie sicher aufbewahren?», fragte er lauernd.
«Aber nein! Ich nehm ihn grad so mit!», und sie wickelte ihn in ihr rotes Seidentuch. Die Augen wären ihm fast aus dem Kopf gefallen, doch er kniff sie schnell zusammen und schluckte leer: «Natürlich, wenn Sie meinen!» Sie meinte.
Nachdem sie noch einiges Papier unterschrieben hatte, verliess sie den Ort, den brennenden Blick des Beamten in ihrem Rücken fühlend. Zu Hause angekommen, legte sie den Goldbarren auf den Tisch und genoss dessen Schönheit. Am Abend nahm sie ihn mit ins Bett. Sie liess seine Kraft in ihren Bauch strömen und war überwältigt: Es war Heilkraft. Sie fühlte sich schön, selbstbewusst, strahlend, grosszügig und stark. Immer, wenn sie ausgelaugt und erschöpft ist, lädt sie sich an ihrem Gold auf.
Einmal legte sie ihren Schatz in meine Hände: Welch ein Gefühl! Davon animiert, beschloss ich, eine Gedankenreise zu machen und die Pforte zum Reich der Trolle zu öffnen. Gold, Fülle und Grosszügigkeit sollten zurückfinden zu uns Menschen.
Welch grosses Ziel! Ich arme Wurst wollte mich gegen die Trolle auflehnen. Die lachten sich kaputt, als ich mich gegen das riesige Tor stemmte, hinter dem sie ihre Schätze verbergen. Sie lachten so sehr, dass sich das Tor einen winzigen Spalt breit öffnete: Einige leuchtende Strahlen tanzten auf meiner Nasenspitze. Immerhin ein Anfang! Am nächsten Tag kaufte ich mir ein Los und gewann fünfzig Franken. Gibt es dafür ein Goldnugget?
Jetzt warte ich natürlich ich auf Mithilfe: Wer ist dabei und hilft das Tor zu öffnen, auf dass das Leuchten seinen Weg zurückfindet in die Welt?

Eva Rosenfelder kennt sich aufgrund eigener Erfahrung aus mit Kräutern, Raben und Elementargeistern. Sie lebt als Mutter von zwei Kindern, Kartenleserin und freischaffende Autorin in Winterthur.

SPUREN Archiv Ausgabe Nr. 68 Sommer 2003
Kafikaze in der Früh

Sein Ruf ist schlecht. Sein Duft betörend. Er ist fast überall präsent, von den einen geliebt, von den andern verpönt. Wer ihn aber liebt, der wird ihn kaum mehr los.
Den Kaffee meine ich, der morgendlich meine Bettfedern vom Rücken staubt, biegsam durch die Küche wedelt, die Träume, die wie Nebelschwaden mein Bewusstsein einhüllen, mit zackigem Händeklatschen vertreibt. Es ist unglaublich, wie ein Mensch sich durch sein Beisein verwandeln kann. Die Zunge löst sich, jeglicher Bann wird gebrochen: Merkur kann wirken, die Bahn ist ihm geebnet.
Die Zeitung von gestern lesend (viel zu verschlafen, um die neue zu holen!), sitze ich frühmorgens in der Küche. Selbst der Hund liegt noch tief in seinen Korb verkrochen und blinzelt fragend. Auf dem Gasflämmchen brodelt das magische Espressokännchen. Ein Duft erfüllt den Raum, unsäglich! Er erzählt von der Freude, wieder neu anzufangen, und verspricht, dass gerade dieser Tag ein ganz besonderer sein wird, ein noch nie gehabter. Die Lieblingstasse wartet bereits auf die tiefbraune Brühe.
Der erste Schluck ist bitter. Davon aber lasse ich mich niemals abhalten. Denn bald ist er da!
Heute, da er sich von mir beobachtet fühlt, schleicht er von hinten an und klopft mir auf den Rücken: «Da sind wir wieder! Was für ein herrlicher guter Morgen! Und? Was haben wir heute vor, was geht ab? Come on, erzähl mal ein wenig, ist ja stinklangweilig diese Stille! Musik, Sound! He! He! So etwas von verschlafen!» Und er klopft mir mit hektischen Bewegungen auf den Rücken. Ich habe keine Antwort bereit.
Belustigt sehe ich, wie meine Träume ihre weiten Gewänder zusammenraffen und mit entsetztem Gesicht ins Reich der Nacht flüchten. Mein Körper beginnt nun zu pulsieren, das Herz klopft schneller, Gedanken blitzen durch den Kopf. Ich öffne die Fenster, dieser Kerl bringt mich ins Schwitzen. Er folgt mir auf Schritt und Tritt. Der Typ hat ein wahrhaft feuriges Temperament!
Ich stelle mich unter die Dusche, was ihn nicht daran hindert zu plappern: «Was schaust du mich heute immer so an mit diesem Röntgenblick? Irgendwas nicht in Ordnung? Versuchst du, bald wieder gesund zu leben und trinkst deine Wald- und Wiesentinkturen? Die machen dich langsam, sie kommen nicht aus dieser Zeit. Ich hingegen gehe mit, ich expandiere, explodiere, bringe deinen Geist ins Sausen und Brausen, bin schneller als der Wind. Mein Schlagwort heisst Entwicklung, ich bin Vulkan, tosendes Feuer. In meiner Absicht aber bin ich rein und klar. Und meine Essenz ist schwarz wie die Materie und drängt dich zur Tat.»
Ich bin fertig mit Duschen und erinnere mich an das wunderschöne Bild einer blühenden Kaffeepflanze. Sternenartige, schneeweisse Blüten hatten mein Herz entzückt, und ich erklärte den Kaffeestrauch zu einer der schönsten Pflanzen. Die Früchte, in denen die Bohnen schlummern, sind tiefrot, die ledrigen Blätter intensiv grün.
So steht er vor mir: Seine kohlenschwarzen Augen blitzen, in ihnen lodert das Feuer.
Er ist gross, dunkelhäutig und schwarz gelockt. Keine Sekunde steht er still.
«Für heute hast du mich genug angestarrt!», ruft er temperamentvoll. Aus seinen Augen züngelt das Feuer. Ich bin hellwach und übermütig, ich brenne. Der Tag kann beginnen.

corva@bluewin.ch
Autor: Eva Rosenfelder | Profil
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SPUREN Archiv Ausgabe Sommer 2006

Wem blüht was?

Es war einmal vor langer Zeit, da waren sie in gepflegten Gärten gern gesehene Gäste. Als attraktive Exoten wirkten sie wunderbar und entwickelten sich prächtig.
Doch oh weh! Diese raffinierten Kerle hielten sich an keine Grenzen. Sie sprangen über den Gartenzaun, begannen mehr und mehr den Untergrund zu kolonialisieren und schamlos zartbesaitetere Einheimische zu verdrängen. Jetzt will man radikal gegen sie vorgehen!
Das meint für diesmal nicht Herr Blocher, und die Rede ist nicht von Sanspapiers oder Asylbewerbern, nein! Es geht um invasive Neophyten. Tönt gut, nicht? Doch die müssen alle weg, und zwar radebutz. Das fordern die Naturschützer! Die kriminell gewordenen Grünlinge sind säuberlich auf einer roten Liste zur Fahndung ausgeschrieben!
Ich liebe den Wildwuchs über alles. In meinem Garten tummelt sich allerlei Volk, aus Blumentöpfen spriessen Überraschungen. Einheimische und Fremdlinge leben in einer kunterbunten und dauernd sich wandelnden Gemeinschaft. Die subversiven Pflanzen, nach denen gefahndet wird, sind hier auch vertreten. Die Gesuchten heissen: chinesischer Sommerflieder, kanadische Goldrute und kaukasischer Bärenklau. Ich biete ihnen Asyl und muss gestehen: Wir sind uns ganz sympathisch.
Hier stinkt doch etwas zum Himmel. Sind die moderne Landwirtschaft oder der unverschämte Städte- und Strassenbau nicht um einiges invasiver als diese grün beblätterten Sündenböcke? Oder der fleischgeschwängerte Grillduft, der ungefragt von englischen Rasenlandschaften aus schwebend meine Nase kolonialisiert? Auf welcher Liste stehen diese Plagen?
Es ist an der Zeit, mich mit den Invasoren über den Ernst der Lage zu unterhalten. Ein Riesenbärenklau wächst neben der alten Weide. Bereits hat er seine gezackten Blätter ausgebreitet und sammelt Kraft, um in die Höhe zu schiessen. Ich setze mich neben ihn und warte.
Bald schon löst sich aus dem Schatten ein Riese in Kriegerkleidung. Seine Waffe, eine Art Hellebarde, lässig in die Hüfte gestützt, grinst er mich an: «Ihr habt uns Pflanzen den Krieg erklärt, wir antworten. Den Leib unserer Mutter deckt ihr zu, und damit schneidet ihr euch von den eigenen Wurzeln ab. Wir Bärenkrieger sind gekommen, um aufzubrechen, was verschüttet worden ist. Wir sind gekommen, um die Trägheit eurer kleinen Welt zu verbrennen. Unsere Kraft ist der euren dreimal überlegen. Tötet ihr uns, so kehren wir um ein Vielfaches zurück. Ehrt ihr uns, schenken wir euch Heilkraft, verbrennen Gewucher, Pilz und Gesabber, schenken euch Mut und Reinheit der Gedanken. Wir verbinden euch mit dem Urfeuer, mit der Lebendigkeit jenseits von Grenzen und Zwängen.»
Feuer strömt durch mich, als wäre ich in Pfeffer und Knoblauch getaucht worden. Noch immer brennen in mir Fragen.
Die kanadische Goldrute wiegt sich sanft im Wind. Die Blüten, ihre tausend kleinen Sonnen, schlafen in den Blättern, doch klar dringt die Stimme der Goldrute zu mir: «Die zarten Pflanzen brauchen unsere Hilfe, sie haben nicht mehr die Kraft. Durch unsere kleinen Sonnen strömt die Ursonne, und unser Wurzelwerk verbindet tausendfach unsere Seelen. So können wir Samen verschenken in einer Fülle, der keine Zerstörung beikommt. Wir sind hier, da wir gerufen wurden. Unsere Botschaft ist Gemeinschaft, das Zusammenfliessen einer grossen Kraft. Die Ursonne spiegelt sich in unseren tausend Gesichtern.»
Ganz leise höre ich meinen Garten wispern: «Lass sie hier leben in ihrer Kraft, lerne durch sie Kraft von Macht zu unterscheiden.»
Ein Flugzeug rast über meinen Kopf. Man fliegt ins Ausland.
Hab ich mich getäuscht, oder winkten meine kaukasischen und nordamerikanischen Freunde dem Flieger nach?

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