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WIRTSCHAFTSTREFFEN IM VATIKAN:„Neue Formen der Solidarität“:

Top-Ökonomen zu Besuch bei Papst Franziskus

Von: Regina Krieger

Georgieva, Stiglitz, Hoyer: Der Papst hat einige der größten Namen der Wirtschaftswissenschaften zu sich gebeten. Die Themen? Globalisierung, Klimaschutz, Kapitalismus.

Der Pontifex bittet zum Austausch der Wirtschaftswissenschaftler. dpa

Papst Franziskus

Der Pontifex bittet zum Austausch der Wirtschaftswissenschaftler.

Vatikanstadt Der Papst hatte persönlich eingeladen – rund 50 handverlesene Ökonomen und Finanzexperten waren seinem Ruf gefolgt.

Sie sollten über die Globalisierung debattieren.

„Eine neue Art des Wirtschaftens“ sei eine weltweite Herausforderung, sagte Papst Franziskus zur Begrüßung und forderte Lösungen.

Die Welt ist reich, doch die Armen werden immer mehr.“

Einer der Ökonomen: Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, bekannt für deutliche Worte. „Der Kapitalismus ist in der Krise“, sagte der US-Ökonom gestern,- Mittwoch im Vatikan.

Und diese Krise habe viele Facetten:

▪ die Zerstörung der Umwelt,

▪der fehlende Klimaschutz,

▪soziale Ungleichheit,

▪fehlendes Vertrauen in die Institutionen.

▪Dazu komme die „moralische Verworfenheit“.

Stiglitz nannte als Beispiele Marktmanipulationen, den

☆„Dieselgate“-Skandal,

☆ Facebook als Plattform für Manipulationen und damit verbunden die Gefahren für die Demokratie – das seien Zeichen einer moralischen Krise.

Das Ungleichgewicht habe nichts mit Naturgesetzen oder Ökonomieregeln zu tun, sondern sei Ergebnis von Menschenhand gemachter Politik und Gesetze.

Was ist zu tun? „Die Regeln des Kapitalismus müssen neu geschrieben werden“, sagte Stiglitz, heute Professor an der Columbia University und Chefökonom des Roosevelt Institute.

Der Neoliberalismus (USA=New Deal)habe verheerende Folgen für entwickelte und unterentwickelte Länder gehabt.

Franziskus hat das Thema einer humanen Wirtschaft, geprägt von Solidarität und Inklusion( Als soziologischer Begriff beschreibt das Konzept der Inklusion eine Gesellschaft, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt an dieser teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen …)seit seiner Wahl 2013 in den Mittelpunkt gestellt. Der Papst gilt als Kritiker des neoliberalen Wirtschaftssystems.

Seine Kritik und sein Engagement zur Bekämpfung der Armut wurzeln in seinen frühen Jahren in Argentinien, wo er soziale Spannungen und das Leben der Benachteiligten aus der Nähe erlebt hat.

Globalisierung, aber solidarisch

„Im Mittelpunkt für Unternehmen und Politik muss der Mensch stehen, nicht das Streben nach Macht oder Gewinn“, das hatte Franziskus vor kurzem in seiner Botschaft an die Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums in Davos geschrieben.

Echte Entwicklung könne es nur geben, wenn alle am Gemeinwohl mitwirken könnten und dazu beitrügen.

Und in seiner Enzyklika „Laudato Si‘“ von 2015, die sogleich „Umwelt-Enzyklika“ getauft wurde, kritisiert er nicht nur Umweltverschmutzung, Müllberge und die Wegwerfkultur, sondern fordert auch eine integrierte Ökologie für „unser gemeinsames Haus“.

In der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften – einem kleinen, prächtigen Palazzo im Vatikanstaat, mitten in den vatikanischen Gärten tauschten am Mittwoch Top-Ökonomen ihre Ideen aus.

Die neue IWF-Chefin Kristalina Georgieva zitierte dabei Papst Franziskus: „Die erste Aufgabe ist es, die Wirtschaft wieder in den Dienst der Menschen zu stellen.“

Der Schlüssel dazu sei, in Partnerschaft zu arbeiten.

„Unsere Verantwortung besteht darin, den Welthandel inklusiver zu machen und die Kapitalflüsse sicherer“, sagte sie.

So könne eine Globalisierung der Hoffnung gefördert werden, eine Kultur der Solidarität, die über Wirtschaft hinausgehe. Es gebe unterschiedliche Auffassungen, aber gerade dazu sei der Dialog da.

„Der Papst will in Einklang mit der Soziallehre der Kirche eine Wirtschaft, die auf moralischen Grundsätzen basiert und inklusiv ist, die Marktwirtschaft allein hat das nicht“, sagte der ebenfalls geladene US-Ökonom Jeffrey Sachs dem Handelsblatt.

„Sie kann große Ungleichheiten produzieren und verheerende Zerstörungen der Umwelt.“

Der Papst wolle eine Wirtschaft, die soziale Gleichheit schaffe, menschliche Würde garantiere und die Umwelt schütze.

Die Folgen des neoliberalen Kurses sehe man in den USA, so der Direktor des Center for Sustainable Development an der Columbia University:

„Das ist eine Ökonomie für Mächtige und Reiche“, Franziskus dagegen sage, man brauche eine Wirtschaft für alle.

Realpolitik für Argentinien

„Der Papst nimmt uns alle mächtig in die Pflicht“, sagt Werner Hoyer, Präsident der Europäischen Investitionsbank und einziger deutscher Teilnehmer des Treffens dem Handelsblatt.

„Er macht Mut, dass Probleme lösbar sind, wenn man mit Ambitionen daran geht und Bereitschaft zu Innovationen hat.“

Das Thema Wirtschaft hat für Franziskus Priorität.

Neben der hochkarätigen Wirtschaftskonferenz im Vatikan hat er für Ende März junge Ökonomen unter 35 nach Assisi eingeladen.

Er wolle jungen Männern und Frauen begegnen, die Wirtschaftswissenschaften studieren und eine andere Art von Wirtschaft umsetzen möchten, eine, die Leben bringt, und nicht Tod; die inklusiv ist und nicht exklusiv; menschlich und nicht entmenschlichend; eine, die für die Umwelt Sorge trägt und sie nicht ausbeutet, schreibt er in seinem Einladungsschreiben.

„Eine Initiative, die dazu beitragen wird, einander besser kennenzulernen und einen „Bund“ zu schließen, der uns die Verpflichtung eingehen lässt, die Wirtschaft von heute zu verändern und der Wirtschaft von morgen eine Seele zu geben“.

Nebenbei wurde gestern,- Mittwoch im Vatikan auch Politik gemacht.

Es ging um die Schuldenkrise in Argentinien.

Unter den Teilnehmern der Konferenz befand sich Hernán Lacunza, Finanzminister Argentiniens, der die IWF-Chefin, neben der er saß, schon am Abend zuvor zu einem langen Gespräch getroffen hatte.

Bei der Konferenz waren zahlreiche Vertreter anderer lateinamerikanischer Länder.

Es ist sehr wichtig, die Wirtschaft in Argentinien zu stabilisieren“, sagte Georgieva.

Deutlicher war Stiglitz: „Wir haben im Fall Argentinien die Möglichkeit, zu zeigen, dass ein alternatives Herangehen möglich ist, ein besseres als die bisherigen, die gescheitert sind“.

Dazu nötig sei nicht nur ökonomische Rationalität, sondern auch der Sinn für soziale Solidarität.

Mehr: Finanzskandal im Vatikan – Papst Franziskus und das Geld.

Der Pontifex bittet zum Austausch der Wirtschaftswissenschaftler. dpa

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