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Bienensterben und dessen Ursachen

Bayer CropScience ein Unfall.

Insektizide Pflanzenschutzmittel (PSM) aus der Gruppe der Neonikotinoide werden in der Landwirtschaft gegen beißende und saugende Schadinsekten eingesetzt, vornehmlich als Beizmittel zum Schutz der Saat – zum Beispiel Mais, Raps und Sonnenblumen – und im Obstbau. Für Bienen gelten sie offiziell als ungefährlich. Etwa zeitgleich mit der Einführung dieser PSM wurden in Nordamerika und Europa unerwartet hohe Verluste von Bienenvölkern beobachtet. Typisch für das klinische Bild war ein plötzlicher Zusammenbruch der betroffenen Völker, wie er in dieser Art noch nie beobachtet worden war: die Bienenkörbe waren leer, die Brut verhungerte. In den USA entstand der kennzeichnende Begriff colony collapse disorder. Man vermutete, dass sich die Bienen verflogen hatten, ein bislang unbekanntes Phänomen. Untersuchungen an Überlebenden stellten teilweise Infektionserreger und Parasiten fest, darunter die Varroa-Milbe, ein weit verbreiteter Parasit, der Bienenvölker bei starkem Befall töten und durch Übertragung von bienen-pathogenen Viren, Infektionen hervorrufen kann. Auf Grund dieser Zusammenhänge vermutete man eine Schwächung des Immunsystems der Bienen als Ursache der Völkerverluste, hervorgerufen durch die Summe der parasitären und mikrobiellen Erreger, und Begriffe wie Bienenseuche und Bienen-Aids kamen auf. Zumindest in Deutschland scheinen die staatlichen Bemühungen um die Aufklärung der Ursache(n) in Richtung Varroa und/oder Infektionen zu gehen. Chemisch-analytische Untersuchungen zum Nachweis bzw. Ausschluss bienentoxischer Wirkstoffe, wie von Seiten der Imkerverbände gefordert, spielen bislang keine Rolle.

In Frankreich wurde das Neonicotinoid Imidachloprid bereits 1999 für die Anwendung bei Sonnenblumen und in 2003 bei Mais dauerhaft verboten. Grundlage des Verbots waren unabhängige Versuche und chemische Analysen am Zentralen Forschungsinstitut für Landwirtschaft, die den „dringenden Verdacht“ auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Bienenvolksterben und dem Einsatz von Chlothianidin,Fipronil und Imidachloprid ergeben hatten. Das Verbot ist bis heute gültig und wurde auf alle Kulturen ausgeweitet.

Über die pharmakologischen Wirkungen der Neonikotinoide bei Bienen ist bisher wenig publiziert. Als hochwirksame Nervengifte können sie für Bienen unter bestimmten Umständen tödlich sein. So kamen im Sommer 2008 in Baden-Württemberg etwa 11.500 Bienenvölker durch Abrieb von Clothianidin beim Ausbringen von gebeiztem Maiskorn ums Leben. Der (zum Zeitpunkt der Anwendung noch nicht zugelassene) Wirkstoff wurde auf behördliche Anordnung zum Beizen von Saatmais eingesetzt, als vorsorgliche Maßnahme gegen die für Baden-Württemberg befürchtete Ausbreitung des erstmals im benachbarten Elsass aufgetretenen Maisbohrers. Da der Wirkstoff nicht ausreichend auf dem glatten Maiskorn haftete, kam es bei der Aussaat durch pneumatisch betriebene Sämaschinen zu staubförmigem Abrieb, der vom Wind verbreitet wurde und Blüten in der Umgebung kontaminierte. Nach Einschätzung von
Eine Vergiftung von Bienen aus analoger Ursache, allerdings durch Imidachloprid-haltigen Abrieb, war bereits in 1997 in Italien (http://www.youtube.com/watch?v=-OSrAPK-eaE beobachtet und publiziert worden.

Während diese Fälle als „ akzidentelle“ Vergiftungen gelten können, die ggfls. durch technische Verbesserungen bei Formulierung und Sämaschinen in Zukunft vermieden werden können, wurde kürzlich eine tödliche Vergiftung durch Gutationswasser aus anwendungsgerecht behandelten Maispflanzen nachgewiesen. Nicht nur junge Maispflanzen, sondrn alle Pflanzen, können überflüssiges Wasser bei hoher Boden -Feuchte und hoher Luftfeuchte als so genanntes Gutationswasser in Tröpfchen über Spaltöffnungen der Blätter ausscheiden. Laborversuche haben gezeigt, dass Gutationswasser von Maispflanzen, die aus Clothianidin-gebeizter Saat stammten, für Bienen akut toxisch ist: sie sterben innerhalb weniger Minuten. Diese Exposition stellt eine anwendungs-inhärente Gefahr dar, die sich durch technische Maßnahmen nicht vermeiden lässt. Bayer CropScience (16.2.2009) stellt die Gefahr in Abrede: „Nach allen Bayer CropScience derzeit vorliegenden Erkenntnissen und fachlichen Einschätzungen haben die von saatgebeizten Pflanzen abgegebenen Flüssigkeitstropfen (Gutation) in Verbindung mit darin enthaltenen Pflanzenschutzmittel-Rückständen unter landwirtschaftlichen Praxisbedingungen keinen Einfluss auf die Gesundheit von Bienenvölkern. Der Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen des Julius-Kühn-Instituts, einer Bundesbehörde, in Österreich die AGES in Wien, liegen keine Berichte über Bienenvergiftungen durch Gutationswasser vor.“

Neben akuten Vergiftungen dürfte die langfristige Aufnahme niedriger, subletaler Dosen eine bedeutsame Exposition für Bienen sein. Für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln werden derartige Untersuchungen bislang nicht gefordert.

Quelle

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