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Die Bischofsfrau und der Lehrgang für Nikoläuse

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,,Herzlich willkommen zu unserem neuen Lehrgang für Nikoläuse!
Erfreulicherweise dürfen wir heuer sogar eine Frau in unserer Runde begrüßen,begann die Kursleiterin,eine blasse,etwas Reform-belastete Beamtin aus dem Ministerium.
,,Es ist schön,daß sie sich entschlossen haben,die staatliche Befähigungsprüfung zur Durchführung ambulanter Nikolausbesuche abzulegen, und ich würde vorschlagen,daß jeder ein wenig von sich erzählt,damit ich mir ein Bild von Ihnen machen kann.“

Ein kräftiger Mann,der in der ersten Reihe des Vortragsraumes saß,begann:

,,
Also, ich bin im Alltagsleben LKW-fahrer und wollte schon immer als Nikolaus gehen,weil ich gerne unterwegs bin und außerdem mit dem Zustellen einige Erfahrung habe!“

,,Ich bin im Hauptberuf Jurist!“,sagte der Zweite.,,Und ich freue mich darauf,beim Nikolausbesuch Gerechtigkeit walten zu lassen; die Braven belohnen und die etwas weniger Braven,na ja auch etwas weniger zu beschenken oder mit einer Rüge zu bestrafen!“

Der nächste Lehrgang-Teilnehmer stellte sich als Schauspieler vor,der sich die Gagen im Burgtheater etwas aufbessern wollte.

Und so schilderte einer wie der andere die individuellen Beweggründe,warum er gerne einmal der Nikolaus wäre.

Als Letzte stand die betagte vornehme Dame in einem sehr traditionellen Bischofskleid auf,die sagte nur:

,,Ich möchte auch in Zukunft nichts besseres tun,als bisher.Freude machen und Respekt vor dem Göttlichen vermitteln.
Aber ich will mir diesen Lehrgang hier anschauen,weil ich trotz meines fortgeschrittenen Alters immer noch sehr neugierig bin.Wer weiß,vielleicht lerne ich etwas dazu!“

,,Na gut!“,resümierte die Lehrgangsleiterin.,,Jetzt kennen wir einander ein wenig,und nun wollen wir mal schauen,was in den kommenden Lehrgangseinheiten alles auf dem Programm steht!“

Sie stellte sich zur Tafel und zeichnete einen Kreis mit einem O in der Mitte.

,,Dieses O steht für Organisation,also die Frage: Wie organisiere ich meine Einsatzorte,daß ich den einfachsten Weg beschreiten muß?
Und danach… „, sie malte ein,,S“.
Das,, S“ bedeutet glaubwürdige Sinnvermittlung.Wie können wir unsere himmlische Intention und Sendung glaubwürdig vermitteln?
Dazu gehört zum Beispiel die stilechte Kleidung.Hat sich die schon jeder/jede besorgt?
Alle nicken,auch die ältere Dame,die sich vorhin als letzte vorgestellt hat.
,,Sie haben das Kostüm ja sogar schon angezogen!Das wäre aber nicht wirklich notwendig
gewesen!“,sagte sie zu ihr,aber die alte vornehme Dame lächelte nur 🙂 und meinte:,, Ach wissen Sie, das trage ich eigentlich immer!“
,,Gut!“,meinte die Lehrgangsleiterin etwas verunsichert.,Was ist noch wichtig für unseren Auftritt im Auftrag des Himmels?“
,,Daß wir die guten und schlechten Taten der Kinder kennen!“,antwortete der Jurist.

,,Vollkommen richtig!Und wie erfahren wir die?“

,,Die stehen in meinem großen Himmelsbuch!“,sagte die alte Bischofsdame.,,Ich schreibe das ganze Jahr über mit, damit Gott immer auf dem Laufenden ist,falls ich gefragt werden sollte!“

,,Ich glaube,Sie nehmen das hier nicht wirklich ernst!“,entgegnete die schon etwas verärgerte Lehrgangsleiterin.
,,Wir bekommen diese Informationen natürlich von den Erziehungsberechtigten!
Übrigens ist es heute nicht mehr nötig,daß die Kinder ein Gedicht vortragen weil sie dadurch leicht in eine
>Erwartungsstress-haltungssituation< geraten könnten.Man kann Ihnen aber ohne weiteres vorschlagen,die Ohrhörer des MP3-Player; herauszunehmen,wenn man zu ihnen spricht!" ,,Das sehe ich anders!“,meldete sich die weise Bischofsdame.,, Über ein Gedicht habe ich mich immer gefreut!
Und mein Krampus sorgt schon dafür,daß die Kinder bei der Sache sind!“

Die Kursleiterin schlug die Hände zusammen.

,,Also bitte,den Krampus sollten wir mit Sicherheit ausblenden.

Der Krampus stammt aus Erziehungsmethoden vergangener erzkatholischer Zeiten!Heute weiß man,daß Kinder,auf solche gottlosen archaischen Schreckgestalten oft mit massiven Ängsten reagieren,die sie dann das ganze Leben einschüchtern.

,,Verehrte Vortragende!“,entgegnete die weise Bischofsdame.

,,Im Fernsehen schauen sich die Kinder heutzutage und sogar bis in die Abende hinein die schrecklichsten Filme an, und der Krampus dürfte nicht einmal mit der Kette rasseln.?“

,,Wie ich schon gesagt habe,der Krampus ist heute aus pädagogischen Gründen abzulehnen und wegzulassen.Kommen wir jetzt aber zur Frage der passenden Geschenke.
Was sollte der Nikolaus den Kindern heutzutage bringen?“

,,Das kommt darauf an,was so ein Kind tragen kann!“,antwortete der hauptberufliche LKW-Fahrer.,,Die Höchstgrenze wäre vielleicht eine PlayStation aber schon ohne Kriegsspiele oder eine Barbie-Küche!“

Die alte Dame im Bischofsgewand dachte nach:
,, Ich bin mit Bio-Äpfeln,Nüssen,Bio-Lebkuchen und Bioschokolade immer gut angekommen!Auch meine Haustiere sind damit zufrieden, weil sie ab und zu ein wenig davon abbekommen!“

,,Sie sind mit Haustieren unterwegs?Mit richtigen Haustieren?“
Jetzt war die Kursleiterin aber wirklich fassungslos.,,Eine Frage: Sagen Sie aus welchem Jahrhundert kommen sie eigentlich?“

,,Tja,das ist schwer zu sagen! Im Grunde lässt sich meine Spur bis zu den Jesuszeiten zurückverfolgen,noch weiter zurück als Myra und dem 3. Jahrhundert.Seit ewig schon versuche ich Gottes Freundlichkeit und Wunderkraft zu vermitteln!“

,,Das heißt,sie arbeiten schon eine Ewigkeit lang praktisch illegal in diesen Beruf und haben noch nie eine Nikolausausbildung oder gar Prüfung absolviert?“
,,Ich hab ehrlich gesagt gar nicht gewußt,daß das notwendig ist!

Nun war es aber genug.Die alte Bischofsdame wurde vom Kurslehrgang ausgeschlossen und übt die Bischofstätigkeit seitdem wieder illegal aus.

Übrigens,es ist,wie sie richtig vermuten,tatsächlich eine echte Bischofsfrau,die immer ihren Mann steht und bis heute nicht ausgestorben ist.

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