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Archiv: Samstag, 16. Mai 2020

Ab 3.Juni dürfen Touristen wieder nach Italien einreisen

Corona geht bei uns unter 1%

Anschober-Zwischenbilanz: 2 Monate nach Lockdown ist Österreich in „wachsamen Phase“

Im Interview Anschober: „Wir sind erst bei der Halbzeit“?

© APA/HELMUT FOHRINGER

Maßnahmen hätten bisher „hervorragend gewirkt“, zieht der Gesundheitsminister vorläufige Bilanz.

Vor genau 2 Monaten, am 16. März, hat das Covid-19-Maßnahmengesetz Rechtskraft erlangt – es galten Ausgangsbeschränkungen, Handel, Dienstleister, Gastronomie sowie Freizeit- und Sportbetriebe mussten zusperren. „2 Monate danach sind wir konstant unter 1% Neuinfektionen pro Tag“, zog Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) heute,- Samstag eine Zwischenbilanz.

Stabil sind seit Wochen, mit nur wenigen Ausnahmen täglich mehr Menschen genesen als erkrankt gemeldet.

Und in etlichen Bezirken Österreichs gibt es pro 100.000 Einwohner bereits seit Tagen keine Neuerkrankungen mehr„, so der Ressortchef. „Die richtigen Maßnahmen zum richtigen Zeitpunkt“ hätten dank der konsequenten Umsetzung durch die Bevölkerung „hervorragend gewirkt“: „Alle sind seit Wochen an Erfolg beteiligt“, bedankte sich Anschober.

Der Gesundheitsminister zitierte in einer Aussendung eine APA-Meldung vom 16. März: „Erstmals ist die Zahl der nachweislich mit dem neuen Coronavirus infizierten Personen (…) auf mehr als 1.000 Personen (1.016) gestiegen. Der Zeitraum bis zur Verdoppelung der Covid-19-Fälle beträgt somit aktuell drei Tage (…) Gesundheitsminister Rudolf Anschober will die Zuwachskurve von derzeit 36 Prozent Neuansteckungen pro Tag auf 20, auf 15, auf 10 Prozent herunterbringen (…).“

2. Phase besonders schwierig

Die aktuelle zweite Phase im Kampf gegen SARS-CoV-2 mit der etappenweisen Öffnung sei besonders schwierig, betonte der Grüne Gesundheitsminister. Der erste Schritt am 14. April, als kleine Geschäfte, Baumärkte und Gartencenter aufsperren durften, und der 2.Schritt ab 1. Mai mit dem Ende der Ausgangsbeschränkungen und dem Öffnen aller weiteren Geschäfte sowie des Großteils der Dienstleistungen führten zu keiner neuerlichen Zunahme der Erkrankungen. Ab gestern,- Freitag wurde daher der 3. Schritt mit der Gastronomie und den ersten Kultureinrichtungen gesetzt, ab Montag folgen die Schulen, per 29. Mai unter anderem Beherbergungsbetriebe, Freibäder und weitere Teile des Kulturbereichs.

In der 1. Junihälfte werden eine vertiefende wissenschaftliche Evaluierung des Verlaufs der Pandemie in Österreich durchgeführt.

Die Ergebnisse werden zeigen, „ob wir das Tempo bei den Öffnungen erhöhen können“, kündigte Anschober an.

„Das Ziel bleibt, Österreich mit ruhiger Hand durch die schwerste Pandemie seit Jahrzehnten zu führen. Bisher sind wir dabei auf einem sehr guten Weg.“

▪629 Menschen starben bisher in Österreich nach einer Infektion mit SARS-CoV-2,

▪14.524 sind wieder genesen, berichteten unterdessen Innen- und Gesundheitsministerium heute,- Samstagvormittag.

▪208 Covid-19-Kranke befanden sich in Spitälern,

▪davon 50 auf Intensivstationen.

Österreich öffnet weitere Grenzen ab morgen,- Sonntag

US-Kampfjet in Florida abgestürzt

Trump braucht WHO?

TRUMP DROHT WHO MIT ENDGÜLTIGEM ZAHLUNGSSTOPP UND AUSTRITT

Im Konflikt mit China hat US-Präsident Donald Trump der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inmitten der Coronavirus-Pandemie mit Austritt gedroht.

Trump setzt WHO ein Ultimatum:

Sollte sich die WHO innerhalb der kommenden 30 Tage nicht zu „wesentlichen Verbesserungen“ verpflichten, werde er die US-Zahlungen endgültig einstellen und die Mitgliedschaft der USA in der Organisation überdenken, heißt es in einem Schreiben Trumps.

Trump veröffentlichte den Brief an WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montagabend (Ortszeit) nach dem ersten Tag der Jahresversammlung der WHO-Mitgliedsländer, an dem er selbst nicht teilgenommen hatte.

Er wirft der WHO China-Hörigkeit vor. Chinas Präsident Xi Jinping hatte zum Auftakt der WHO-Tagung dagegen zu größerer Unterstützung der WHO aufgerufen und die Bereitstellung von zusätzlich 2 Milliarden Dollar (1,85 Mrd. Euro) Corona-Hilfen für die ärmeren Länder angekündigt.

Trump hatte bereits vor einem Monat eine vorläufige Einstellung der US-Zahlungen an die WHO veranlasst und damit international Kritik auf sich gezogen?

Er macht die WHO-Organisation für die hohe Anzahl der Toten in der Coronavirus-Krise mitverantwortlich und bezeichnete die in Genf ansässige UN-Sonderorganisation als „Marionette“ Chinas.

Jetzt bescheinigte der US-Präsident der WHO erneut einen „alarmierenden Mangel“ an Unabhängigkeit von China.

Die WHO habe es versäumt, glaubwürdigen Berichten nachzugehen, die in direktem Widerspruch zur Darstellung Pekings stünden.

Zudem habe die WHO taiwanische Informationen über eine mögliche Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch nicht unverzüglich mit dem Rest der Welt geteilt und das „wahrscheinlich aus politischen Gründen“.

In der Krise, in der in den USA bereits mehr als 90.000 Menschen nach einer Corona-Infektion starben, ist der Präsident selbst schwer unter Druck geraten.

Der Republikaner hatte die Gefahr des Coronavirus öffentlich lange heruntergespielt?

Ein Vorwurf, den er gegen die WHO erhebt, wird auch gegen ihn gerichtet: Trump habe China Ende Jänner noch für die Transparenz im Zusammenhang mit dem Ausbruch gelobt zu haben.

China war und ist jetzt alles andere als transparent„, erklärte Trump nun in seinem Brief an Tedros. In einem Tweet vom 24. Jänner hatte er allerdings selbst geschrieben: „China hat sehr hart daran gearbeitet, das Coronavirus einzudämmen. Die Vereinigten Staaten wissen ihre Anstrengungen und Transparenz zu schätzen.“

Die WHO ist für Trump ein willkommenes Angriffsziel. In ihr kann er seine Kritik an den Vereinten Nationen sowie am wachsenden Gewicht des Wirtschaftskonkurrenten Chinas vereinen.

Kritiker werfen Trump vor, mit seinem Feldzug gegen die WHO von eigenen Versäumnissen abzulenken?

Meine Meinung Weltweit sollte darüber nachgedacht werden, gen-pestizidfreie Lebensmittel verpflichtend Bio zu produzieren, um das Immunsystem der Menschen zu stärken.Wenn das Immunsystem der Menschen nicht mehr stark genug ist um Pandemien zu verhindern, muß ernährungstechnisch in Richtung umweltfreundlicher Biolandwirtschaft gesetzlich verpflichtend umgedacht werden.

„Es ist klar, dass die wiederholten Fehltritte, die Sie und Ihre Organisation sich bei der Reaktion auf die Pandemie geleistet haben, die Welt extrem teuer zu stehen gekommen sind“, heißt es in Trumps Brief.

Was er sich konkret unter den geforderten „wesentlichen Veränderungen“ vorstellt, bleibt vage. Die WHO müsse Unabhängigkeit von China zeigen, forderte Trump. Der Verweis auf die frühere WHO-Chefin Harlem Brundtland macht deutlich, dass er „kühne“ Entscheidungen von der WHO und auch mal Kritik an China erwartet.

Seine Regierung habe bereits Gespräche über eine Reform der Organisation begonnen. „Aber es muss schnell gehandelt werden. Wir haben keine Zeit zu verlieren“, erklärte Trump. Er könne nicht zulassen, dass das Geld der amerikanischen Steuerzahler eine Organisation finanziere, die nicht amerikanischen Interessen diene.

Trotz der Kritik am Vorgehen Trumps gibt es Forderungen nach Reformen der WHO derzeit längst nicht nur in den USA, wie sich anlässlich der Jahrestagung zeigte. Die WHO müsse unabhängiger vom Einfluss einzelner Staaten und in ihrer koordinierenden Funktion stärker werden, sagte auch der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn.

Die WHO ist die wichtigste Sonderorganisation der Vereinten Nationen im Gesundheitsbereich. Ihr Budget speist sich vor allem aus Spenden und nur noch zu weniger als einem Viertel aus verpflichtenden Beiträgen der Mitgliedsstaaten. Die USA sind in diesem Kreis der größte Zahler: Für die Jahre 2020 und 2021 sind jeweils fast 116 Millionen US-Dollar fällig. Chinas Beitrag liegt für diese beiden Jahre bei jeweils rund 57 Millionen US-Dollar. Hinzu kommen freiwillige Beiträge, die sich im Fall der USA laut WHO in den Jahren 2018 und 2019 auf insgesamt mehr als 656 Millionen Dollar beliefen. China kam auf mehr als 10 Millionen US-Dollar.© APA

WHO untersucht Kinder-Corona

Vor 4h

Leiharbeiter waren Corona-Auslöser bei der Post

Das Postzentrum in Hagenbrunn
Das Postzentrum in HagenbrunnPost AG

Weil eine Leiharbeitsfirma mutmaßlich infizierte Personen weiter arbeiten ließ, muss nun das Bundesheer für erkrankte Post-Mitarbeiter einschreiten. Wie außerdem der „Corona-Kindergarten“ in Wien mit dem Fall zusammenhängt, erfährst du hier. 

Wie berichtet wurden zuletzt Dutzende Corona-Fälle im Post-Verteilzentrum in Hagenbrunn (Bezirk Korneuburg) bekannt. Während am Mittwoch noch von rund 30 Fällen die Rede war, berichtet der „ORF NÖ“ nun von bereits rund 60 Fälllen. Seit dem Bekanntwerden der Infektionen hatte die Post die gesamte Belegschaft testen lassen. Auch im Postverteilzentrum in Wien-Inzersdorf geht das Coronavirus um. Hier sollen von 650 Mitarbeitern 70 positiv auf das Coronavirus getestet worden sein. 

Um den Weiterbetrieb im Postverteilzentrum zu sichern, rückte nun das Bundesheer zum Einsatz aus. Die Post selbst hatte derartige Unterstützung angefordert. Ein ABC-Team kümmert sich nun darum, dass alles desinfiziert wird. Ab Sonntag werden dann bis zu 250 Soldaten eingesetzt, die den Betrieb am Laufen halten sollen.

Keine Bundesheer-Hilfe in Wien

Wie die „Krone“ am Samstag berichtet könnte eine Leiharbeitsfirma als Virenschleuder fungiert haben. Zwar müssen die genauen Hintergründe noch geklärt werden. Dennoch verdichten sich laut „Krone“ die Anzeichen dafür, dass eine Wiener Leiharbeitsfirma als Virenschleuder fungiert haben könnte. Diese beschäftige vor allem Personen aus dem afrikanischen und arabischen Raum. 

Die Mitarbeiter dieser Firma wurden in verschiedenen Logistikzentren eingesetzt. Auch eine Logistikzentrale eines großen Möbelhauses in Wien-Floridsdorf soll mit insgesamt sechs Corona-Fällen, die im Zusammenhang mit der Leiharbeitsfirma stehen könnten, betroffen sein. „Als strategische Reserve der Republik sind wir da, wenn man uns braucht. Soldatinnen und Soldaten erfüllen jede Aufgabe mit dem größten Einsatz“, erklärt Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP). In Wien verzichtet die Post übrigens aus freien Stücken auf Mithilfe des Bundesheers, wie „Heute“bestätigt wurde. 

Mario Dujakovic, der Pressesprecher von SPÖ-Stadtrat Peter Hacker, führt auf Twitter aus, dass die Initiative der Stadt Wien Schlimmeres verhindert habe. Anstatt zu warten bis Betroffene Symptome zeigen und die Corona-Hotline 1450 anrufen, habe die Stadt Wien größere Zusammenhänge aufdecken können. 

Denn die Fälle, die zur Evakuierung einer Einrichtung in Wien-Erdberg und eine Unterbringung in der Messe-Wien geführt haben, wurden zurückverfolgt. So ergab es sich, laut Dujakovic, dass auf Betreiben der Stadt Wien herausgefunden wurde, dass fünf Personen für die Leiharbeitsfirma tätig sind. Durch Contact Tracing konnte festgestellt werden, dass eine erkrankte Person mit jener Kindergarten-Betreuerin verheiratet ist, die im „Corona-Kindergarten“ in Wien-Liesing tätig ist

Forschungsergebnis: Pathologin: „Lungen sehen nach Corona nicht stark verändert aus“

Vor 1h

Obduktionen sind nicht nur wesentlich, um Todesursachen abzuklären, sondern auch, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.
Obduktionen sind nicht nur wesentlich, um Todesursachen abzuklären, sondern auch, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.Reuters (Symbolbild)

Renate Kain, Professorin und Leiterin des Klinischen Instituts für Pathologie der MedUni Wien erklärt, warum Obduktionen zum besseren Verständnis von neu aufgetretenen Krankheiten wie COVID-19 beitragen, wie sich Pathologen schützen müssen und was bei der Obduktion überrascht.

In Deutschland gab es anfangs eine Warnung, Corona-Verstorbene zu obduzieren. Diese wurde dann wieder vom Robert-Koch-Institut (RKI) aufgehoben, weil die Erkenntnisse doch sehr wertvoll seien! Wie schützen sich die Pathologen und wo finden die Obduktionen statt?

Wir haben noch keine Erfahrungswerte, wie hoch das Risiko einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 während einer Obduktion ist. Das Virus SARS-CoV-2 wurde als “biologischer Arbeitsstoff” der Risikogruppe 3 eingestuft, daher müssen wir zum Schutz der Obduzenten auch im Bereich dieser Sicherheitsstufe arbeiten. Am Klinischen Institut für Pathologie der MedUni Wien am AKH gibt es derzeit keinen Seziersaal, der dieser so hohen Sicherheitsklasse entsprechen würde. So hatten wir uns entschieden, die Verstorbenen des Allgemeinen Krankenhauses in einem Seziersaal des Kaiser-Franz-Josef-Spitals, das über die entsprechende Ausstattung verfügt, zu obduzieren. Sowohl in der Planung als auch in der Durchführung ist das logistisch nicht ganz einfach, aber wir haben daraus sehr viel gelernt. Die persönliche Schutzkleidung besteht aus Funktionskleidung (Hose und Shirt, ähnlich wie OP-Kleidung), Schutzmantel, Mehrweg-Schürze und Einmal-Schürze, Gummistiefel (darüber Einmalschuhe), Mund-Nasen-Schutz mit Filterwirkung (die sogenannten FFP3-Masken), Gesichtsvisiere, Hauben und zwei Paar Handschuhen. Diese schützen vor möglichen Infektionen, die z.B. durch Verspritzen von Blut während der Obduktion stattfinden könnten. Diese in mehreren “Lagen” getragene Kleidung stellt sicher, dass immer eine saubere unter einer möglicherweise verschmutzten Lage ist und minimiert daher, auch beim Auskleiden, das Risiko eines Kontaktes mit möglicherweise infektiösem Gewebe.

„Bei anderen Viren der Gruppe 3 wissen wir heute, dass der Infektionsweg über Blut und Körperflüssigkeiten erfolgt. Hier kann eine Infektion während einer Obduktion z.B. bei Schnittverletzungen erfolgen.“

Warum ist eine Obduktion von Corona-Patienten so gefährlich?

Wir wissen im Moment nicht, ob eine Obduktion gefährlich ist oder nicht, da wir über das Virus viel zu wenig wissen, vor allen Dingen über alle Infektionswege. Über die Gefährlichkeit von Erkrankungen, sowohl was den Verlauf als auch was die mögliche Übertragbarkeit anbelangt, lernt man aus der Erfahrung.  Ob die Obduktion eines Coronavirus-Infizierten tatsächlich besonders gefährlich ist, ist nicht bewiesen. Aus diesen Gründen erfolgte die Einstufung in die Risikogruppe 3 vorläufig und aus Sicherheitsgründen. Bei anderen Viren der Gruppe 3 wissen wir heute, dass der Infektionsweg über Blut und Körperflüssigkeiten erfolgt. Hier kann eine Infektion während einer Obduktion z.B. bei Schnittverletzungen erfolgen. Das Influenzavirus,  das die Grippe verursacht, ist z.B. als Erreger der Risikogruppe 2 eingestuft und wird durch Tröpfchen (z.B. Niesen) oder Schmierinfektion (z.B. Viren auf den Händen und Berühren anderer Menschen) übertragen. Wir müssen aber das Risiko der Arbeiten mit infiziertem Gewebe, Infektionswege und die Infektiosität des Virus evaluieren. Bis Klarheit vorliegt, ist es vernünftig,  besondere Vorsicht walten zu lassen.

Welche Ausstattung ist dafür notwendig?

Die Ausstattung besteht in der notwendigen Schutzkleidung. Eine Obduktion in einem Raum mit Sicherheitsklasse 3 ist eine Vorsichtsmaßnahme, da diese so ausgestattet sind, dass sie entsprechend gereinigt und desinfiziert werden können und keine Verunreinigung anderer Bereiche stattfindet. Sie werden über Schleusen betreten und es wird nur an einem Tisch obduziert. Klassisch angelegte Obduktionssäle haben meist mehrere Obduktionstische in einem Raum, oft findet in diesen auch die Administration bzw. Diktate der Befunde statt.

„Manchmal ist es etwas überraschend, dass die Lungen, zumindest mit freiem Auge, nicht stark verändert aussehen.“

Renate Kain, Professorin und Leiterin des Klinischen Instituts für Pathologie der MedUni Wien, im Interview mit "Heute"
Renate Kain, Professorin und Leiterin des Klinischen Instituts für Pathologie der MedUni Wien, im Interview mit „Heute“Matern

Wie läuft eine Obduktion eines Corona-Patienten ab? Gibt es hier spezielle Leitlinien für den Umgang mit verstorbenen Corona-Patienten?

Für die Obduktion selber gibt es keine speziellen Leitlinien, diese erfolgt genau so, wie andere Obduktionen. Spezielle Leitlinien betreffen jedoch das Vermeiden eines potentiellen Infektionsrisikos, wie z.B. die Entstehung von Tröpfchen oder Aerosolen, wie sie entstehen, wenn man die Organe während der Begutachtung mit Wasser von Blut frei spült. Solche Maßnahmen sind zu vermeiden, da wir noch nicht wissen, ob dies zur Übertragung des Virus führen kann.

„Dies ist eine Situation – wie z.B. in den 1980er-Jahren, als wir die ersten an Aids verstorbenen Patienten obduzierten. Auch hier konnte man erst nach einer Serie von Obduktionen systematisch erheben, welche Veränderungen auftreten, inwieweit sie ursächlich am Tod beteiligt sind und durch welche Mechanismen im Krankheitsgeschehen sie hervorgerufen werden.“

In der Schweiz haben Pathologen auch je „nach Mut“ Obduktionen durchgeführt. Der Leiter des Fachbereichs Autopsie am Uni-Spital in Basel, Alexandar Tzankov, sagte in einem Interview, dass Patienten stark übergewichtig waren. Welche Erfahrungen haben sie gemacht?

Unserem Team fehlt die breite Erfahrung mit Autopsien von Covid-19-Verstorbenen, wie sie in anderen Spitälern, wie in Basel oder Hamburg, aus einer Serie von Obduktionen gewonnen werden konnten. Neben den bereits publizierten Veränderungen, wie Sie sie beschreiben, oder z.B. dem Vorliegen von der Bildung von kleinen Blutgerinnseln, sehe ich aber den Erkenntnisgewinn aus den Obduktionen von Covid-19-Verstorbenen nicht alleine in der klassischen makroskopischen Begutachtung während der Obduktion, sondern vor allem in der detaillierten Untersuchung aller Organe auf höchstem wissenschaftlichen Niveau. Hier stehen uns sämtliche Untersuchungsmethoden der modernen, gewebsbasierten Pathologie, wie z.B. Immunhistochemie, Elektronenmikroskopie oder molekularpathologische Methoden zum Nachweis von Veränderungen und deren Ursache zur Verfügung. Wir können damit nicht nur die Veränderungen feststellen, sondern auch die Mechanismen untersuchen, die zu diesen führen. Dies ist eine Situation, in der wir z.B. in den 1980er-Jahren waren, als wir die ersten an Aids verstorbenen Patienten obduzierten. Auch hier konnte man erst nach einer Serie von Obduktionen systematisch erheben, welche Veränderungen auftreten, inwieweit sie ursächlich am Tod beteiligt sind und durch welche Mechanismen im Krankheitsgeschehen sie vorgerufen werden. Damals wurden auch Studien zum Überleben des Virus unter verschiedenen Temperaturen und Oberflächen durchgeführt und evaluiert, wie das Virus inaktiviert werden kann, ob eine Infektionsgefahr während einer Obduktion gegeben ist und welche Schutzmaßnahmen notwendig sind. Ich selber habe in dieser Zeit zwischen 40-50 dieser Obduktionen durchgeführt, die uns einen wertvollen Erfahrungsgewinn geliefert haben. Basierend auf den damals gewonnenen Erkenntnissen können wir heute entscheiden, welche Untersuchungen wir bei Covid-19-Verstorbenen durchführen.

Bisher publizierte Ergebnisse und Untersuchungen aus den Geweben haben uns gezeigt, dass es einerseits zu einem diffusen Alveolarschaden kommt, der, einfach gesprochen, zu einer Vernarbung führt und damit das Atmen erschwert bzw. die Diffusion des Sauerstoffes unmöglich macht.“

Andere deutsche Mediziner stellten klar, dass das Coronavirus bei den Patienten eben schwere Lungenschäden verursacht. Was sind denn die typischen Lungenveränderungen? Und an was sterben die Patienten schließlich?

Bisher publizierte Ergebnisse und Untersuchungen aus den Geweben haben uns gezeigt, dass es einerseits zu einem diffusen Alveolarschaden kommt, der, einfach gesprochen, zu einer Vernarbung führt und damit das Atmen erschwert bzw. die Diffusion des Sauerstoffes unmöglich macht. Andererseits sehen wir immer wieder die Ausbildung von Blutgerinnseln. Hier kann es dazu kommen, dass das Herz versagt, weil es den Widerstand der verschlossenen Gefäße in der Lunge nicht überwinden kann, auch dies wäre eine Todesursache. Wie jedoch genau bei wem welche Veränderung zum Tode führt, muss jeweils im Einzelfall untersucht werden und kann nicht generalisiert werden. Dies sind aber, so wie die Publikationen von Einzelfällen, nur punktuelle Ergebnisse, die man nicht verallgemeinern kann. Aus der Summe aller Erkenntnisse können wir dann, so hoffe ich, aber allgemeine Aussagen und eventuell sogar Voraussagen zu Krankheitsverläufen treffen. Dies käme direkt den erkrankten PatientInnen und ihrer Therapie zugute. Die Hilfe für die Lebenden aus den Erkenntnissen der Obduktion der Toten, die mit Karl v. Rokitanksy in Wien eine lange Tradition hat, wäre so – gekoppelt mit den modernen Untersuchungsmethoden – ein Paradebeispiel für die personalisierte Medizin.

„Die meisten Patienten, die im Krankenhaus versterben, leiden an mehreren Erkrankungen. Die Infektion mit SARS-CoV-2 trägt mit hoher Wahrscheinlichkeit bei schwerkranken Menschen zum Tod bei.“

Die Frage der Frage sei ja auch ob die Menschen „mit oder an“ Corona sterben. Wie sehen Sie das?

Ich denke, wir sollten nicht diskutieren, ob Patienten mit oder an Corona sterben. Die meisten Patienten, die im Krankenhaus versterben, leiden an mehreren Erkrankungen. Die Infektion mit SARS-CoV-2 trägt mit hoher Wahrscheinlichkeit bei schwerkranken Menschen zum Tod bei. Die Frage, in welchem Umfang die einzelnen Erkrankungen zum Tode des Patienten beigetragen haben, ist sehr komplex und kann nicht immer mit völliger Sicherheit beantwortet werden. Mit genau dieser Situation sind wir auch bei den Patienten, die mit einer Coronavirus-Infektion versterben, konfrontiert. Natürlich bemühen wir uns hier, sowie auch in den anderen Fällen, gemeinsam mit den behandelnden Ärzten ein möglichst genaues Bild vom Erkrankungsverlauf zu bekommen und eine Obduktion ist auf jeden Fall bei der Klärung behilflich.

„Manchmal ist es etwas überraschend, dass die Lungen, zumindest mit freiem Auge, nicht stark verändert aussehen.“

Können Sie uns von einem Beispiel und einer Besonderheit der Obduktion von Corona-Infizierten erzählen, die sie bereits erlebt haben? Was hat Sie überrascht oder verwundert?

Die praktische Besonderheit der Obduktion sind die aufwändigen Schutzmaßnahmen zur Verhütung einer Infektion (Schutzkleidung, Atemschutzmasken…) und eine sehr umfangreiche Sammlung von Gewebsproben aus nahezu sämtlichen Organen, da nach wie vor keine vollständige Klarheit über das Spektrum der Erkrankungsbilder in anderen Organen als der Lunge vorliegt. Manchmal ist es etwas überraschend, dass die Lungen, zumindest mit freiem Auge, nicht stark verändert aussehen.

„Nur durch eine Autopsie kann es gelingen, aus sämtlichen Organen Gewebsproben für eine Vielzahl von Untersuchungen zu gewinnen und so ein vollständiges Bild der Ausbreitung des Erregers und der durch ihn verursachten Schäden an Zellen und Geweben zu bekommen.“

Warum denken Sie, sind die Obduktionen wichtig? Was können uns die Toten sagen?

Die Coronavirus-Infektion ist ein Paradebeispiel für die Stärken der Obduktion. Nur durch eine Autopsie kann es gelingen, aus sämtlichen Organen Gewebsproben für eine Vielzahl von Untersuchungen zu gewinnen und so ein vollständiges Bild der Ausbreitung des Erregers und der durch ihn verursachten Schäden an Zellen und Geweben zu bekommen.

„Es ist in Österreich sicher nicht notwendig, mehrere Seziersäle der höchsten Sicherheitsstufe zu haben – doch wie werden wir in Zukunft mit Obduktionen von Patienten, die in Spitälern versterben, die diesen Saal nicht haben, umgehen?“

Zum Abschluss noch eine andere Frage: Haben die Pathologen für solche Patienten in Österreich die richtige Ausstattung oder fehlt es uns an moderner Ausstattung?

Ich bin nicht der Meinung, dass wir die falsche Ausstattung haben oder dass diese nicht modern ist. Die meisten Österreichischen Pathologien sind neu und hochmodern ausgestattet. Es könnte aber sein, dass sich die Anforderungen in Zukunft ändern werden und wir auch in der Zukunft wieder mit Krankheitserregern der Risikogruppe 3 – oder vielleicht sogar 4 – konfrontiert werden. Wir müssen uns daher überlegen, wie und wo wir diese nützen und wie wir im Falle einer Pandemie mit einem hochinfektiösen Erreger vorgehen werden. Die Covid-19 Pandemie hat uns am Klinischen Institut für Pathologie in einer Phase der Umbauplanung getroffen. So haben wir in den Monaten vor der Pandemie bereits begonnen gehabt, den Umbau des Institutes bzw. auch unseres Obduktionsbereiches zu planen. Hier stand an oberster Stelle auch die Frage, welche Sicherheitsklasse ein Seziersaal haben sollte. Es ist in Österreich sicher nicht notwendig, mehrere Seziersäle der höchsten Sicherheitsstufe zu haben – doch wie werden wir in Zukunft mit Obduktionen von Patienten, die in Spitälern versterben, die diesen Saal nicht haben, umgehen? Ich denke, das sind Fragen, denen wir uns stellen müssen und die wir in der Neuplanung von Pathologien miteinbeziehen werden. Dies ist also eine strategische Frage.

Angeblich 12.500 Corona-Tote in britischen Pflegeheim?

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