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Archiv: Freitag, 1. März 2019

Strahlendes Erbe: Was droht uns im Atomzeitalter?Ist eine neue atomare Kathastrophe in Osteuropa eine Frage der ZEIT

Wenn Sorgen elektrischen Strom erzeugen könnten, dann könnten wir die ganze Welt in hellem Licht erstrahlen lassen.

Frage:

Warum müssen wir uns auf ältere Kernreaktoren verlassen, die noch im Betrieb sind?

 

Bulgariens einziges Atomkraftwerk liegt bei Kosloduj, 120 Km  nördlich von Sofia.

Im Juni 1991 wurde das Kernkraftwerk Kosloduj so gründlich inspiziert, wie nie zuvor.Das Ergebnis war erschütternd.

Ein Team westlicher, von der Internationalen AtomenergieOrganisation(IAEO)in Wien entsandter Inspektoren rügte in den 144seitigen-Bericht den Zustand der Atom-Anlage als unannehmbar und machte warnend darauf aufmerksam,daß es zumindest bei 4 der 6 Reaktoren,, unvorsichtig wäre sie weiter zu betreiben.

Die Befürchtungen sind nicht aus der Luft gegriffen.Im Juli 1991 wurden innerhalb 10 Tage 3 undichte Schwach-Stellen entdeckt,an denen Radioaktivität austrat.außerdem wurde ein Brand vertuscht.

In Kosloduj arbeiten 4 der 24 alten Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart, die in Osteuropa in Betrieb sind.

8 stehen in Tschechien, 4 in Ungarn, 8 in der Sowjetunion.In der DDR waren bis zur Vereinigung 4 solcher Reaktoren tätig.Dann lies Bonn sie stillegen, weil sie westlichen Sicherheitskriterien nicht genügen.

Für eine wachsende Zahl von Kritikern ist bei den alten Reaktoren ein Unfall nur eine Frage der ZEIT.Die Warnungen haben um so mehr Gewicht, als sie auch aus Atombefürworter-Kreisen kommen.Dazu gehören vor allem die IAEO, die von den vereinten Nationen zur Überwachung der Kernkraftwerke in aller Welt eingesetzt ist und der internationale Beratungsausschuß für Fragen der Kernenergie , ein unabhängiger Klub  von Atomwissenschaftlern, Regierungsbeamten und Leitern von Versorgungsunternehmen(NGOS) aus 24 Staaten.

Sogar der Moskau- Klub, ein unabhängiger Verband von Energiefachleuten, verlangt, daß die veralteten Reaktoren sofort untersucht, repariert oder abgeschaltet werden.

Zukunft Erneuerbare

Wenn nicht dann:

Sofortige Evakuierung?

Wenn der Betrieb schrottreifer AKWs aufrechterhalten wird, und die Laufzeiten wie bei Dukovany immer wieder verlängert werden, könnten wir früher oder später eine Kernschmelze erleben, warnt auch Wolfgang Kromp, ein Mitglied der österreichischen Expertenkommission, die die 4  Reaktoren im tschechischen Kernkraftwerk Bohunice, nur 55 Km. von der österreichischen Grenze inspizierte.

Eine Kernschmelze, bei der die außer Kontrolle geratenen Temperaturen den Reaktorkern schmelzen lassen und radioaktive Teilchen  in die Athmosphäre und ins Erdreich entweichen, hat das Unglück von Tschernobyl und Fukushima ausgelöst.

In einem Bericht, der im Dezember 1990 erschien, entwarf die Kommission das Szenario eines solchen Unfalls in Bohunice.Bei schönem Wetter über der Atomanlage,leichten Ostwind und Regen über Österreich würde eine Kernschmelze in wenigen Stunden eine Fläche von  750 Quadratkilometern nördlich von Wien verseuchen.Bei dem ausmaß der radioaktiven Strahlung wäre eine sofortige Evakuierung der Bevölkerung nötig.

Beunruhig verlangte daraufhin die österreichische Regierung damals die Stillegung der beiden ältesten Reaktoren in Bohunice und Dukovany.

Der damalige österreichische Bundeskanzler Franz Vranitzky bot sogar an, zum
Ausgleich österreichischen Ökostrom zu liefern, was die Tschechen ablehnten.

Als diese Reaktoren der ersten Generation , die Serie VVER 440, anfangs von den Sowjets in den frühen 60er-Jahren gebaut wurden, hielt man sie für wesentlich sicherer als die Reaktoren mit Graphitkern vom Typ Tschernobyl.

Erstens waren sie weniger groß und enthielten darum weniger Uran.Zweitens war ihre Kernreaktion leichter zu bremsen und besser zu steuern;außerdem enthielten sie mehr Wasser in den Kühlschlangen, was theoretisch ein zusätzlicher Schutz vor Kernschmelze ist.

Im Gegensatz zu westlichen Modellen hat jedoch keiner der sowjetischen Reaktoren die dickwandige Sicherheitshülle aus Stahl und Beton , die im Fall eines größeren Lecks oder einer Kernschmelze das austreten von Radioaktivität verhindert.
Veraltete Technologie
1991 wurden Kernkraftwerke in Bulgarien, in der früheren DDR und in Tschechien besucht, um aus erster Hand einen Eindruck von den Schwierigkeiten zu schaffen.Zunächst wurde die bulgarische Anlage in Kosluduj angesehen.
Es fielen dicke grünspanig verrostete Rohrleitungen auf,die von einem Koplex flacher Betongebäude über brach liegende Kornfelder führten und Städte in der Nachbarschaft mit Wärme versorgten.Hier liegt die Erdbebenintensität bei Grad 6 der bis zu 12(totoale Zerstörung) reichenden MSK-Skala;Trotzdem hatte man bei der Planung von Kosloduj keine besonderen Vorkehrungen getroffen.
Im Jahr 1977, als eine Erdbebenmessung den Intensitätsgrad 5 bis 6 anzeigte, wären die Rohrleitungen dann beinahe geplatzt und hätten Radioaktivität austreten lassen.
Als die Begutachter-Prüfer dann im Werk waren,führten sie Angestellte in eine Turbinenhalle, wo man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte.Auf dem boden hatten sich Öl- und Wasserlachen gebildet, im metallenen Bodenbelaag klafften Meter-breite Löcher.Alte Holzreste und Lumpen boten einem Feuer im Falle des Falles beängstigende Nahrung.
Seit April 1987 hat es in Kosloduj mehr als 30mal gebrannt.-1990 allein 12mal.Solche Brände sind umso gefährlicher, als es keine Feuerschutzwände zwischen den einzelnen Betriebsteilen gibt.
Gleich außerhalb des Kontrollraumes von Reaktorblock 1 wurden die elektrischen Schaltmitteln angesehen.Die Schaltungen aus den 60er Jahren sind mechanisch, nicht elektronisch.

Elektronische Schalter prüfen sich alle paar Sekunden selbst.

In den Reaktoren des in Kosloduj verwendeten Typs müssen mehrere Techniker jede Schaltung manuell testen.- eine Minute zu spät, kann sie versagen.

Schwere Konstruktionsfehler
Die veraltete sowjetische Technologie setzt das gesamte elektrische System fehlerhaften menschlichen Eingriffen aus.

Im Kernkraftwerk Greifswald beispielsweise hatten sich Techniker damit beholfen, daß sie Teile von Zigerettenpackungen zwischen Relaiskontakten klemmten.

Ein weiterer schwerer Konstruktionsfehler dieser Atomanlagen liegt darin, daß man den Reaktorschutz gebündelt hat, statt die Ersatzregelsysteme wie in westlichen Kernkraftwerken strikt zu trennen.

Ein Brand, eine Überschwemmung, oder sonst eine Störung könnte die Reservesysteme rund um die Reaktoren ausschalten, also da, wo sie am wichtigsten sind.So verursachte 1975 ein Brand in einem Schaltgeräteraum in Greifswald einen Stromausfall, der alle 12 Kühlmittelpumpen für einen der Reaktoren lahmlegte.

Die Temperatur im Reaktorkern stieg.

die Arbeiter bemühten sich verzweifelt, das Feuer zu löschen, den Strom einzuschalten und die Pumpen wieder in Betrieb zu setzen.Endlich lief eine der Pumpen wieder, – eine Kernschmelze war verhindert worden.
Erst nachdem das ostdeutsche Bedienungspersonal im Jänner 1990 die Bundesregierung verständigt hatte, kam der Vorfall in die Presse.Neben weiteren Enthüllungen über gefährliche Betriebssituationen in Greifwald löste es landesweite Empörung aus.
Ende 1990 wurde der letzte der 4 Reaktorblöcke der Kraftwerke stillgelegt.
Im Kontrollraum von Reaktorblock 1 in Kosloduj standen die Prüfer vor einer verwirrenden Anordnung von Meßskalen und Bedienungsknöpfen, über die 3 Ingenieure wachten.
Wenn man irgendwo in einem Kernkraftwerk von einem Platz erwartet, daß er sicher ist, dann ist es der Kontrollraum.Aber die IAEO-Inspektoren fanden heraus, daß die Kontrollräume von 4 Reaktoren in Kosloduj nicht gegen äußere Vorfälle wie radioaktive Lecks oder Brände abgeschottet werden konnten.
Die Blöcke 1 und 2 hatten keine Erstzschaltpulte, und die Reservepulte für Blöcke 3 und 4 befanden sich so nahe am Kontrollraum, daß sie im Notfall nutzlos wären.
1 Ingenieur führte das Prüf-Team zu einer Überwachungsplattform, von der aus man auf die Reaktorhalle hinausblicken konnte, einen Raum von der Länge eines Fußballfeldes.2 orangefarbene, 5 Meter hohe Kuppeln bedeckten die Reaktordruckbehälter, die zur Hälfte in den Erdboden eingelassen waren.. diese Behälter hatten 2 schwere Konstruktionsmängel.
1.sind die Hauptkühlmittelschlangen fehlerhaft geplant, wo wie auch die metallenen, 50 cm dicken Anschlußstutzen, die aus dem Reaktorkern in den Behälter führen.Das chemisch behandelte Wasser in den Kühlschlangen steht unter enormen Druck, so daß es flüssig bleibt, statt sich in Dampf zu verwandeln.Die russen planten die Kühlschlangen so, daß sie nur einen sehr kleinen Riss aushalten.-32 Millimeter statt 500 Millimeter. wie bei westlichen Einrichtungen.Bei einem größeren Rohrbruch, sagte der Leiter der Abteilung für Beurteilung kerntechnischer Sicherheit bei der IAEO, Freidrich Niehaus, würde es wahrscheinlich zur Kernschmelze kommen.
2. sind Behälter nicht geräumig genug: Der vom Kern erzeugte Neutronenfluß bombadiert ständig die stählernen Innenwände, die dadurch dünn und spröde werden.
Leopold Weil,der Leiter des Fachbereichs für kerntechnische Sicherheit beim deutschen Bundeministerium für Strahlenschutz erklärte später,daß infolge Versprödung die Gefahr besteht, daß ein Druckbehälter , vor allem bei schneller Abkühlung reißt.
Auch ein solcher Unfall könnte in wenigen Minuten zur Kernschmelze führen.
Konstruktionsfehler sind nicht die einzigen Probleme in Kosloduj.Der Bericht der IAEO besagt:
Auf allen Ebenen der Regierung und des Kernkraftnmanagements hat man lange Zeit gesteigerten WErt auf die Erzeugung von Atomstrom gelegt.-auf Kosten der kerntechnischen Sicherheit.

Eine der Folgen:Das Personal ist ungenügend ausgebildet, überlastet und ungewöhnlich sorglos weil schlecht informiert.
Die Leute werden stärker als nötig der Strahlung ausgesetzt und kümmern sich weder um Grundwartung noch um Maßnahmen für den Notfall.Der Notfallplan ist nach Feststellung der IAEO unzureichend.Die Anlagen werden nicht so gewartet,daß ihr Zustand die Betriebsbereitschaft von Sicherheits- und Notfallssystemen bei einem großen Unfall gewährleisten.
In der Vergangenheit waren die Bulgaren beim Betrieb der Reaktoren auf die Hilfe sowjetischer Berater angewiesen.Anfang 1991 jedoch verließen die Sowjets wegen wegen eines Lohnstreits Kosloduj; ihr fachmännisches Können, und ihr zurückgehaltenes Wissen über die Atomanlage nahmen sie mit.Viele Details rückten die Sowjets nicht heraus, erklärte Morris Rosen, der Leiter der kerntechnischen Sicherheit der IAEO.
Atommüll in Mengen
Anders als Bulgarien und die frühere DDR haben die Tschechen ihre eigene kerntechnische Industrie.Dort konnte man sowjetische Lieferungen testen und Ausnahmefällen defekte Teile zur Reparatur zurückschicken.Aber die Sowjets nahmen sie nur widerstrebend an, erinnert sich Jiri Beranek,vormals staatlicher Chefinspektor für kerntechnische Sicherheit.So waren monatelange Verhandlungszeiten in Kauf genommen werden, um fehlerhafte Kniestücke für Kühlmittelschlangen in Ordnung zu bringen.
Mit der Lagerung abgebrannter Brennstäbe sind die Tschechen schlechter dran, als die Nachbarn.Kilometerweit sieht man die 8 Kühltürme von Bohunice drohend aus der Landschaft ragen.Bei einer Führung durch die Anlage von Bohunice machte ein Chemie-Ingenieur Ivan Smiesko auf ein flaches graubraunes Gebäude aufmerksam.Da drinnen lagert in Beton ausgekleideten Becken, die tief in die Erde eingelassen sind, die größte Menge abgebrannter Brennstäbe von ganz Europa.Ursprünglich sollten die Beckennur für 2-3 Jahre abgebrannte Brennstäbe aufnehmen, bevor man sie zur kostenfreien Entsorgung in die Sowjetunion transportierte.
Jetzt aber verlangen die Sowjets für die Aufnahme harte Währung, damals für das Kilo etwa 1700 Mark.Das will biser kein ehemaliger Satellittenstaat zahlen; und so füllen sich de Lagerbecken in Bohunice (Slowakei)und Tschechien von abgebrannten EU-Brennstäben von ganz Europa beunruhigend schnell so daß zahlreiche illegale Atommülldeponien entstanden, die das Grundwasser Uran-belasten-während Granit natürliches Uran enthält, dass nur bei viel Nitrat im Grundwasser das Uran aus dem Gestin löst, ist das Uran von Atommüll sehr leicht wasserlöslich.
In Bohunice hat es 3 große Lecks gegeben, durch die radioaktives Cäsium und Plutonium in den Fluß Dudvah gelangt sind, sagte de r damalige tschechoslowakische Bundesumweltminister Josef Vovrousek.Eine noch größere Bedrohung ist die Erdbebengefahr, denn die Atomanlage in Bohunice ist nur für Beben des Intensitätsgrades von 6 bis 7 ausgelegt.Für die Gegend um Bohunice wird die Erdbebenintensität aber auf 7-8 geschätzt.
Ein größerer Riß in den Becken könnte Atommüll-Grundwasser in den Dudvah gelangen lassen und von dort aus sogar die Donau verseuchen.

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