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Politischer Aktionismus?Wie sinnvoll sind Massentests und Impfungen…ohne Regelmäßigkeit sinnlos?Tests sind nur Momentaufnahmen

Corona-Strategie in Österreich

Report

Massentests
Live zu Gast ist der Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Krems, Mitglied der „Ampel-Kommission“ des Gesundheitsministeriums.

Massentests

Das Vorhaben von Bundeskanzler Sebastian Kurz, nach dem Lockdown die ganze Bevölkerung zu testen, hat viele überrascht. Ein Massentest soll das Weihnachtsfest retten, ohne danach in einen dritten Lockdown gehen zu müssen.

© APA/Erwin Scheriau

Statt Strukturen aufzubauen, die es braucht, um Tests bei Millionen Menschen durchzuführen, verweisen viele Mediziner/innen und Fachleute auf bestehende Möglichkeiten, die Infektionszahlen zu senken und schlagen vor, nur gewisse Alters- bzw. Berufsgruppen zu testen – und diese dafür öfter. Die Bevölkerung wiederum ist verunsichert über die verschiedenen Tests, die derzeit in Arztpraxen, Apotheken und im Internet angeboten werden.

Sophie-Kristin Hausberger und Helga Lazar über verwirrende Teststrategien.

Live zu Gast ist der Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Krems, Mitglied der „Ampel-Kommission“ des Gesundheitsministeriums.

Impf-Hoffnung

Gleich drei Corona-Impfstoffe geben derzeit Anlass zur Hoffnung. Die Pharmaunternehmen und die betreffenden Labors liefern sich einen regelrechten Wettkampf, was Wirksamkeit und Verfügbarkeit betrifft.

© APA/Stadt Wien/C. Jobst

In Österreich hat man in der Zwischenzeit auf eine möglichst breite Impfung gegen die bevorstehende Grippewelle gesetzt, auch um die Krankenstationen in den kommenden Wochen und Monaten zu entlasten. Die breite Grippeimpfung gilt dabei auch als eine Art Testlauf für die bevorstehenden Corona-Impfungen.

Stefan Daubrawa und Martin Pusch über Hoffnungen und Bedenken zur aktuellen Impfstrategie.

Die Corona-Experten

Die Rolle mancher Corona-Experten und -Expertinnen in der Pandemie ist eine ambivalente. Beschwichtigende und teilweise widersprüchliche Botschaften verwirren die Bürgerinnen und Bürger, etwa in der Masken-Frage.

© APA/Barbara Gindl

Wo lagen manche Fachleute bisher falsch, wie reflektieren sie heute ihre Aussagen? Wie geht die Wissenschaft mit einer auch für sie ungewohnten Situation und laufend neuen Erkenntnissen zu dem Virus um? Welche Rolle spielt mangelhafte Wissenschaftskommunikation und wie sollten Medien in der Pandemie agieren?

Eine Zwischenbilanz nach neun Monaten Pandemie von Yilmaz Gülüm und Julia Ortner.

Österreich will die gesamte Bevölkerung mit Schnelltests durchtesten. Was bringt das? Und ließe sich die Strategie auch auf Deutschland übertragen? Der Überblick.Von Katherine Rydlink20.11.2020, 13.01 Uhr

Antigen-Schnelltests: Was bringt es, die gesamte Bevölkerung zu testen? Foto: Sven Hoppe / dpa

Seit Dienstag befindet sich Österreich erneut in einem strikten Lockdown: Bis zum 6. Dezember dürfen Bürgerinnen und Bürger den privaten Raum nur noch aus triftigen Gründen verlassen, die meisten Geschäfte bleiben geschlossen, Bars und Restaurants sowieso. Danach sollen weite Teile der Bevölkerung auf Sars-CoV-2 getestet werden, möglichst noch im Dezember. So der Plan der Regierung.

Die Strategie dahinter scheint einfach: Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) will Weihnachten retten, indem er die Infektionszahlen so weit nach unten drückt, dass die Menschen sich wieder freier im Land bewegen und vielleicht ihre Familien besuchen können.

Auch die italienische Provinz Südtirol geht im Kampf gegen die Corona-Ausbreitung mit einem Massentest einen neuen Weg: An diesem Freitag öffnen in der kleinen Alpenprovinz mit rund einer halben Million Menschen die Teststationen. Der Abstrich ist kostenlos und freiwillig. Die Landesregierung in Bozen will mit der dreitägigen Aktion unter dem Motto »Südtirol testet« Virusträger aufspüren, die nichts von ihrer Infektion ahnen und so die zweite Corona-Welle schneller brechen.

Wann gibt es einen Impfstoff?

Täglich gibt es Meldungen über neue Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV-2. Noch ist aber keiner zugelassen. Langfristig läuft es sowieso auf mehrere Impfstoffe hinaus.

23. November 2020 | 135 Kommentare

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Inhalt

Artikel Abschnitt:Die Unternehmen Pfizer und BioNTech haben bei der US-amerikanischen Zulassungsbehörde den Zulassungsantrag für ihren Coronaimpfstoff eingereicht. Der Antrag erfolgte wenige Tage nach den vorläufigen Analysen, die eine Wirksamkeit von 95 Prozent für die Impfstoffe nannten.

Erste Impfungen Dezember 2020 oder Januar 2021

Eine Wirksamkeit von mehr als 94 Prozent erwartet auch das US-Unternehmen Moderna, das ebenfalls an einen mRNA-Impfstoff arbeitet.

Diese Schutzwirkung läge damit deutlich über den Mindestanforderungen der Weltgesundheitsorganisation, die eine Schutzwirkung von mindestens 50 Prozent forderte. Zwei Impfungen seien für den ausreichenden Impfschutz allerdings notwendig. Relevante, gesundheitliche Komplikationen oder schwerwiegende Nebenwirkungen wie bei anderen Impfstoffstudien seien bislang nicht aufgetreten.

Aber: Bisher sind dies lediglich erste Zwischenergebnisse, die nur in Form einer Pressemitteilung vorliegen. Wichtig aber noch nicht eindeutig sind auch die Wirksamkeiten für verschiedene Altersgruppen, insbesondere Ältere. Vorläufige Ergebnisse sprechen für BioNTechs Impfstoff ebenfalls von 94 Prozent. Unklar ist aber, auf wie vielen beobachteten Fällen das beruht und damit, ob es statistisch aussagekräftig ist.

Auch jetzt können noch Langzeitfolgen auftreten, die von den Gesundheitsbehörden verfolgt und dokumentiert werden müssen und in das Zulassungsverfahren mit einfließen werden.
In Europa gibt es ein sogenanntes „rolling review“, hier werden seit Beginn der Studien kontinuierlich Daten eingereicht. Das soll den bürokratischen Prozess beschleunigen.

Artikel Abschnitt: Welche Impfstoffe könnte es geben?

Welche Impfstoffe könnte es geben?

Die WHO listet mehr als 200 verschiedene Impfstoffkandidaten gegen SARS-CoV-2 auf – Tendenz weiterhin steigend. Mehr als ein Dutzend davon befindet sich in den letzten, großen klinischen Studien, ist per Notfallzulassung im Einsatz oder der breite Einsatz in der Bevölkerung ist beantragt.

Bei Masern, Diphterie oder Grippe impfen Ärztinnen und Ärzte bislang Lebend- oder Totimpfstoffe, also das Virus in abgeschwächter oder gar zerstörter Form. Bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs setzen Hersteller derzeit jedoch insbesondere auf neue Methoden – wie die mRNA-Impfung.

Unternehmen setzen auf verschiedene Impfstofftypen

Viele Unternehmen wollen damit nicht mehr das Virus selbst verabreichen, sondern nur noch den Bauplan für die entscheidenden Virusstrukturen, mit denen das Immunsystem den Eindringling erkennt. Dazu zählt etwa das Spike-Protein, eine Art Stachel auf der Außenhülle, mit dem SARS-CoV-2 in die menschlichen Zellen eindringt.
Grundsätzlich gibt es mehrere Impfstofftypen. Üblicherweise verabreicht man bei Impfungen abgeschwächte (“attenuierte“) Viren oder nur noch Überreste wie einzelne Oberflächenproteine des Virus. Beide Impfvarianten lösen keine Erkrankung aus, allerdings kann es zu leichten Krankheitssymptomen kommen, weil der Körper sein Abwehrsystem anschließend “trainiert“.

Folgende Kandidaten gibt es im Fall von SARS-CoV-2 (weit fortgeschritten oder prominent):

  • mRNA-Impfstoffe
    o BNT162: BioNTech & Pfizer, Deutschland und USA
    o mRNA-1273: Moderna, USA
    o CVnCoV: CureVac, Deutschland
  • Vektorimpfstoffe
    o Oxford ChAdOx1-S: AstraZeneca & Universität Oxford, England
    o Ad26.COV2.S: Jannsen/Johnson&Johnson, Belgien und USA
    o Sputnik V: Gamaleya-Institut, Russland
    o Vector: Vector-Forschungszentrum, Russland
    o Ad5-nCoV: CanSino, China
    o MVA-SARS-2-S: Deutsches Zentrum für Infektionsforschung & IDT Biologika, Deutschland
    o BBIBP-CorV: Beijing Institute of Biological Products & Sinopharm, China
    o WIBP vaccine: Wuhan Institute of Biological Products & Sinopharm, China
    o Sinovac CoronaVac: Sinovac, China
  • Herkömmliche und andere Impfstofftypen
    o Covaxin: Bharat Biotech, Indien (inaktiviert)
    o NVX-CoV2373: Novavax, USA (proteinbasiert)

Alle Fragen zum Thema Impfen beantworten wir dir hier.


Artikel Abschnitt: Was sind mRNA-Impfstoffe?

Was sind mRNA-Impfstoffe?

Viele Unternehmen und Institute versuchen derzeit, neuartige Impfstoffe zu entwickeln. Bei herkömmlichen Impfungen musste man erst das Virus vermehren, um es in abgeschwächter Form oder aber zerstörte Reste per Impfung zu injizieren. Es kann mehrere Monate dauern, die Viren anzuzüchten und in großer Menge zu produzieren.

RNA-Impfstoffe bieten viele Vorteile

Die Herstellung der neuartigen Impfstoffe funktioniert anders: Die Wissenschaftler wollen lediglich den Bauplan verabreichen. Die Impfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 enthält sogenannte virale messenger RNA (mRNA), im Grunde Viruserbgut, das die Informationen für das Spike-Protein oder andere Bestandteile des tatsächlichen Virus trägt. Allein sind sie aber harmlos.

Ein momentan oft gehörtes Missverständnis liegt in der Vorstellung, diese mRNA würde in das menschliche Erbgut eingebaut oder menschliches Erbgut verändert. Das ist jedoch nicht der Fall. Die mRNA gelangt lediglich in die Zelle und wird dort abgelesen. Danach wird sie abgebaut. Um RNA in das menschliche Erbgut einzubauen, müsste man einen wesentlich höheren Aufwand betreiben – unter anderem müsste man sie erstmal in DNA umwandeln.

Der Körper produziert den Impfstoff selbst

Der Körper stellt anschließend anhand des Bauplans das Oberflächenprotein des Virus selbst her. Das Immunsystem kann das Virus dann erkennen und bekämpfen. Von diesem Bruchstück des Viruserbguts selbst geht keine Gefahr aus und es reduziert mögliche Nebenwirkungen.

Der Vorteil dieser neuartigen Methode liegt oft darin, dass die Unternehmen sie einfacher und in kürzerer Zeit im großen Stil herstellen können. Klassische Produktionen benötigen deutlich länger, um die nötigen Viren anzuzüchten und somit etwa Grippeimpfstoffe zu produzieren. Grippeimpfstoffe werden jedes Jahr noch in 450-500 Millionen Hühnereiern aufwendig angezüchtet

Langfristig versuchen Forscher, solche mRNA-Impfstoffe noch weiter zu verbessern, genauer gesagt ihre Darreichungsform. Anstatt das Mittel zu spritzen, könnte man es über ein simples Nasenspray verabreichen. Das erscheint sinnvoll, da viele Infektionen in den oberen Schleimhäuten beginnen. Wissenschaftler davon aus, dass diese Impfstoffe nicht nur schwere Verläufe und Erkrankungen der unteren Atemwege verhindern können, sondern auch die Infektion selbst. Dafür müssen aber die Zellen, die zuerst betroffen sind, vor dem Virus geschützt werden.

Artikel Abschnitt: Was sind Vektorimpfstoffe?

Was sind Vektorimpfstoffe?

Forscher versuchen auch über Vektoren, eine Art Erreger-Transporter, die nötigen Informationen zum Aufbau von Antikörpern einzuschleusen. Solche sogenannten Vektorviren können sich in Menschen vermehren, ohne eine Erkrankung auszulösen – weder vom Adeno- noch vom Coronavirus. Vektorimpfstoffe sind bereits gegen das Ebola- oder Dengue-Virus im Einsatz.

Sie statten etwa die Hülle eines ungefährlichen Adeno- oder entschärften Masern- oder Pockenvirus mit den Oberflächenproteinen des Coronavirus aus. Einige Vektorviren werden auf diese Weise „verkleidet“, da sie dann selbst diese Proteine auf ihrer Oberfläche tragen und so dem Immunsystem eine Covid-19-Infektion vorgaukeln können.

Andere Vektorviren sehen nicht nach SARS-CoV-2 aus, veranlassen aber die Produktion der SARS-CoV-2-Proteine in Zellen, in die sie eingedrungen sind. In beiden Fällen führt das dazu, dass ein Immunschutz aufgebaut wird, der auch eine echte Infektion abwehren kann – so der Plan.

Artikel Abschnitt: Wie schnell kann man einen Impfstoff entwickeln?

Wie schnell kann man einen Impfstoff entwickeln?

Impfstoffe müssen eine mehrschrittige Testphase durchlaufen. Die Forscher müssen nachweisen können, ob die Impfstoffkandidaten sicher und wirksam sind. In der Vergangenheit hat dieser Vorgang oft viele Jahre gedauert. Während der Coronapandemie gibt es jedoch mehr Geld und weitere Möglichkeiten, um die Impfstoffentwicklung zu beschleunigen – die Sicherheit muss dabei nicht zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Wir erklären, worauf es ankommt und warum manche Impfstoffe keinen so guten Ruf haben.

Es gibt einen festen Ablauf für die Studien zu Impfstoffen. Zuerst müssen sie sich für geeignete Moleküle oder Bestandteile eines Virus entscheiden, mit das Immunsystem trainiert werden soll.

An Versuchstieren testen die Forscher anschließend und erstmals, ob der Impfstoff zu gesundheitsschädlichen oder gar tödlichen Nebenwirkungen führt. Solche Effekte werden in zwei- bis vierwöchigen Tests im besten Fall ausgeschlossen.

Erste Hersteller haben Tierstudien übersprungen

Als Erstes startete ein US-amerikanisches Unternehmen mit dem Impfstoffkandidaten “mRNA-1273“ Tests an gesunden Menschen auf Sicherheit und Immunogenität. Tests an Versuchstieren, die eigentlich vorgeschrieben sind, wurden übersprungen. Die Begründung: Vergleichbare mRNA-Impfstoffe des Herstellers hatten sich bereits als sicher erwiesen. Dieser Schritt war umstritten.

Erst, wenn aus den präklinischen Studien nichts auf eine toxische Gefahr hinweist, ist eine klinische Testphase an Menschen denkbar. Dort wird der Impfstoffkandidaten nur wenigen, gesunden Menschen verabreicht.

Anschließend beginnen Studien der Phase II und III. Hier nehmen mehrere hundert bis zu mehreren tausend Probanden teil, möglicherweise auch bereits die Risikogruppen wie Ältere oder immunschwache Personen. In der Pandemie sind auch direkt zehntausenden Teilnehmern möglich. Erst mit so vielen Probanden sind seltene Nebenwirkungen zu beobachten oder können weitgestehend ausgeschlossen werden.

Weitere Angaben zum Artikel:

Was ist mit russischen oder chinesischen Impfstoffen?

In China gibt es vier fortgeschrittene Impfstoffprojekte, in Russland ebenfalls einen – sie alle sind Vektorimpfstoffe. Der chinesische Impfstoffkandidat der Firma CanSino beruht auf einer bestehenden, sogenannten Impfstoffplattform, die schon gegen das Ebola-Virus zum Einsatz kommt.

Der russische Impfstoff namens Sputnik-V wurde als erster, verfügbarer und sicherer Impfstoff angegeben. Zu diesem Zeitpunkt im Sommer lagen jedoch noch keine Phase III-Daten vor. Diese Studie läuft derzeit. Es widerspricht der gängigen Praxis, ohne die Daten von tausenden Probanden finale Aussagen über die Wirksamkeit oder Sicherheit zu treffen.

Nach den Pressemitteilungen der Pharmaunternehmen BioNTech und Moderna zu ihren mRNA-Impfstoffen, die nach vorläufigen Analysen von einer Schutzwirkung von mehr als 90 Prozent berichteten, wurden solche Werte auch für Sputnik-V vermeldet. Da diese aber auf vorläufigen Daten nach 20 Infektionen unter 16.000 geimpften Probanden beruhen, liegt hierfür keine statistische Aussagekraft vor. Die Ergebnisse können bislang rein zufällig aufgetreten sein. Zum Vergleich: Im Fall von BioNTechs Impfstoff liegen vorläufige Daten nach mehr als 160 Infektionen unter 44.000 Probanden vor.

Zwei der chinesischen Impfstoffe wurden nach dem Sommer bereits mit einer Notfallzulassung jeweils für den Einsatz im Militär oder aber im Gesundheitswesen zugelassen. Die eigentlich notwendigen und üblichen Phase III-Studien wurden ebenfalls erst danach gestartet. Verlässliche Daten zur Wirksamkeit oder zu Nebenwirkungen liegen daher noch nicht vor.

Artikel Abschnitt:Die Studien sollen erneut nachweisen, dass der Impfstoff unbedenklich ist, ob und in welcher Dosierung er eine Immunreaktion im Körper auslöst und ob er vor eine Infektion schützt. Die fortgeschrittenen Studien liefern auch Hinweise auf geeignete Impfschemata, Dosierungen und ob Unterschiede hinsichtlich des Geschlechtes oder Alter vorliegen.

Entscheidend für die letzten Studien ist, wie viele Menschen sich in der Impf-Gruppe infizieren oder erkranken und wie viele in der Placebo-Gruppe.

Erst nach Phase III erfolgt die Zulassung

Für keine der klinischen Studienphasen ist eine feste Dauer vorgeschrieben. Diese ist abhängig vom Studiendesign, der Probandenanzahl und den Punkten, die überprüft werden sollen. Angesichts der aktuellen Epidemie ist man versucht, die Studien kurz zu halten. Sie könnten zwischen drei und zwölf Monaten dauern, ähnlich wie bei der Entwicklung einer Ebola-Impfung zwischen 2015 und 2019.

Für eine Zulassung, in Europa etwa durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA), müssen ausreichende Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit vorliegen. Die Zahlen zur Wirksamkeit und zur Schutzwirkung müssen statistisch aussagekräftig sein.

Anschließend können Phase IV-Studien die Geimpften weiter beobachten, um Nebenwirkungen oder sonstige Komplikationen aufzudecken.

Welche Gründe dafür sprechen, dass es dieses Mal schneller klappt

Bislang wurde kein Impfstoff so schnell entwickelt und getestet wie in diesem Jahr. Das macht skeptisch, schließlich könnte dadurch die Sicherheit der Impfstoffe gefährdet sein. Eine voreilige Zulassung kann gefährlich sein. Allerdings gibt es dafür gute Gründe dafür, dass trotz Rekordtempo keine Sicherheitsabstriche gemacht werden müssten. Was Impfstoffprojekte am meisten aufhält sind:

  • Finanzierungsprobleme
  • Bürokratische Hürden
  • Einzelne klinische Studien
  • Wenig Probanden oder Infektionen
  • Mutationsfreudige Viren

Für das Coronavirus sieht es wie folgt aus, wenn wir uns an den obigen Punkten orientieren:

Keine Finanzierungsprobleme

Üblicherweise sind Forschungsprojekte für Pharmaunternehmen ein großes finanzielles Risiko. Nur die wenigsten Kandidaten werden am Ende erfolgreich zugelassen. In jeder Studienphase könnte der Kandidat scheitern.
Viele Projekte sind keine Goldgruben, sondern vielmehr Gräber und Sackgassen.

Aus diesen Gründen wird nach jeder der mehrstufigen Testphase ganz nüchtern geschaut, wie viel Geld investiert werden muss und ob sich das für die Unternehmen finanziell noch lohnt, insbesondere wenn der Impfstoff angepasst und Studien wiederholt werden müssten.

Jetzt aber haben die Staaten finanzielle Hilfen geleistet, in Deutschland etwa 750 Millionen Euro für die Unternehmen BioNTech, CureVac oder IDT Biologika in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). Andere Hersteller haben angesichts der Pandemie alle finanziellen Risiken in Kauf genommen und der Forschung absolute Priorität zugeordnet.

Die Unternehmen hatten so auch die finanzielle Möglichkeit, mehrere Studien parallel durchzuführen.

Weniger bürokratische Hürden

Die Unternehmen und Forscher müssen ausführliche Studienprotokolle für die Tests erstellen, die Beobachtung und medizinische Betreuung der Probanden garantieren und festlegen, wie sie Sicherheit und Wirksamkeit nachweisen wollen. Die Weltgesundheitsorganisation hat sowohl mit unabhängigen Gremien als auch in Zusammenarbeit mit führenden Herstellern geeignete Studienprotokolle entwickelt, um Verzögerungen oder Nachbesserungen zu vermeiden.

In diesem Jahr wurden verschiedene Studienphasen auch kombiniert, sodass von einer Phase 1 direkt in eine Phase 2-Studie übergegangen werden kann. Auch dieser Vorgang spart Zeit im Vergleich zu separaten Studien.
Die Studienergebnisse werden von den Zulassungsbehörden erst im Nachhinein kontrolliert und freigegeben. Während dieser Prüfung vergeht Zeit – zum Teil bis zu zwei Jahre.

In Europa haben die Unternehmen bei der EMA in diesem Jahr schon von Beginn an ständig Ergebnisse übermittelt. Die Prüfung lief parallel und soll demnach Wartezeiten minimieren. Tatsächlich konnten die Unternehmen schnell von einer Studienphase in die nächste übergehen, während sonst mehrere Monate Leerlauf herrschte.

Wenige Probanden oder Infektionen

Die Wirksamkeit eines Impfstoffs misst sich daran, wie viele Menschen sich in den unterschiedlichen Testgruppen infizieren. Eine Gruppe bekommt den Impfstoff, die Kontrollgruppe ein Placebo (meist eine Kochsalzlösung). Infizieren sich viel mehr Menschen in der Placebo-Gruppe als in der Impfgruppe, spricht das für den Impfstoff.

Wie viele Menschen sich aber infizieren, das hat etwas mit der Verbreitung der Krankheit zu tun. Während der Pandemie haben die Hersteller ihre Probanden aus vielen Ländern rekrutiert, wo mehr Fälle auftreten. In Brasilien etwa infizierten sich während der Sommermonate in derselben Zeit mehr Menschen als in Deutschland.

Geringe Mutation von Sars-CoV2

Es gibt Viren, die so schnell mutieren, dass es trotz jahrzehntelanger Forschung nicht gelungen ist, eine Impfung gegen sie zu entwickeln. Das prominenteste Beispiel ist das AIDS-Virus.

Gegen die jährlichen Influenza-Viren braucht es ebenfalls ständig neu angepasste Impfstoffe. Für SARS-CoV-2 nimmt man derzeit weiterhin an, dass es nicht derart schnell und auch nicht zwangsläufig an relevanten Stellen im Erbgut mutiert, als dass es die derzeitigen Impfstoffkandidaten umgehen kann.

Artikel Abschnitt: Wie effektiv und sicher sind Corona-Impfstoffe?

Wie effektiv und sicher sind Corona-Impfstoffe?

Impfungen bieten in der Regel den bestmöglichen Schutz vor Infektionen. Einige schützen ein Leben lang vor einer potenziell tödlichen Erkrankung, ohne dass diese ausbrechen muss. Zudem verhindern weiträumige Impfungen im Gegensatz zu einer Therapie auch die Ausbreitung.

Bisher ist noch kein mRNA-Impfstoff zugelassen

Trotz jahrelanger Forschung hat es keine mRNA-Impfung bisher bis zur Marktreife geschafft. Es gibt allerdings schon seit Jahren Erfahrungen mit mRNA-Impfstoffen, etwa im Bereich der Krebsforschung oder einen bestehenden Kandidaten gegen Tollwut, der noch immer getestet wird.

Vorläufige Analysen aus den Phase III-Studien der am weitesten fortgeschrittenen Impfstoffkandidaten deuten auf eine Schutzwirkung von mehr als 90 Prozent hin. Das würde konkret bedeuten, dass von zehn geimpften Menschen, die in Kontakt mit dem Coronavirus kommen, nur einer erkrankt.

Sind gefährliche Nebenwirkungen möglich?

Die Studienphasen I bis III sollen die Sicherheit der Impfstoffe möglichst gewährleisten. Gerade in den Phase III-Studien sind zehntausende Menschen geimpft worden. Erst mit so vielen Probanden fallen auch seltene Nebenwirkungen auf. Grundsätzlich gilt: je mehr Menschen den Impfstoff bekommen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sehr seltene Nebenwirkungen auffallen.

Als selten gelten Nebenwirkungen oder Komplikationen, die höchstens einen von zehntausend Menschen betroffen, oft sind sie noch seltener. Dazu gehört etwas das Guillain-Barré-Syndrom, eine Form der Muskelschwäche.

Seltene Nebenwirkungen fallen häufig früh nach der Impfung auf

Die meisten seltenen Nebenwirkungen fallen laut Angabe des in Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) wenige Wochen oder einige Monate nach der Impfung auf. Im Fall der Schweinegrippe oder Dengue-Impfung war dies auch nach einem bis fünf Jahren der Fall. Erneut kommt es aber darauf an, wie viele und welche Menschen geimpft worden sind.

Eine Impfung gegen das Coronavirus etwa wurde bislang an erwachsenen Menschen getestet. Jede Impfung wird gemäß einer Kosten-Nutzen-Analyse vorgenommen. Ein Beispiel: Ältere Menschen haben ein weitaus höheres Risiko, dass eine Covid-19-Erkrankung einen schweren Verlauf bei ihnen nimmt.

Diesen Personen würde man Nebenwirkungen wie Fieber, Müdigkeit oder Muskelschmerzen zumuten, um Atemprobleme oder gar einen tödlichen Krankheitsverlauf zu verhindern. Außerdem ist das Impfrisiko für sie dank der bisherigen Studien besser untersucht.

Kinder, die nur in allerseltensten Fällen schwer erkranken, würde man keine Impfung zumuten, die häufig zu Nebenwirkungen führt, selbst wenn es sich um leichte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen handelt.

Am Ende könnte es mehrere Impfstoffe geben, falls manche Kinder und andere Ältere besser oder mit weniger Nebenwirkungen schützen.

Warum jeder Prozentpunkt der Wirksamkeit wichtig ist

Übrigens: Es macht einen großen Unterschied, ob die Schutzwirkung bei 90 oder 95 Prozent liegt. Bei 100 Menschen würden im Fall von einem 90-prozentigen Schutz zehn Menschen erkranken, bei 95 Prozent fünf Menschen – also nur halb so viele.

Wichtig ist das Studiendesign der Phase III-Studien. Sie haben lediglich die Anzahl der erkrankten Personen verglichen. Dafür reichten schon ein oder zwei Symptome wie Husten oder Fieber und dazu ein positiver PCR-Test. Die vorläufigen Daten belegen aber nicht …

  • … ob die Impfung nicht nur eine Erkrankung verhindert oder abschwächt oder auch eine Infektion und damit eine Ausbreitung verhindert. Es könnte etwa weiterhin sein, dass geimpfte Personen Viren im Rachen haben und auch weitergeben können, aber keine Symptome mehr zeigen oder nicht schwer erkranken, aber …
  • … ob sie schwere Verläufe verhindern. Bisher haben die Studien nur die Zahl der Erkrankungen nachgewiesen, nicht aber von deren Krankheitsverlauf berichtet.
  • … ob der Impfstoff alle Altersgruppen gleichermaßen schützt. Die übergreifende Schutzwirkung von 95 Prozent im Fall von BioNTech bezieht sich auf alle getesteten Probanden. Für sie gilt eine statistische Verlässlichkeit. Für die Altersgruppe von mehr als 65 Jahren ist diese statistische Signifikanz noch nicht belegt.
  • … wie lange der Impfschutz anhält.

Wie lange wirkt die Impfung?

Während die Hersteller die klinischen Tests durchführen, untersuchen andere Forscher die Immunantworten von Covid-19-Patienten. Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass Antikörper gegen das derzeitige Coronavirus bei einigen Personen schon nach einigen Wochen wieder abgebaut wurden, für andere Personen nehmen Wissenschaftler an, dass sie mehr als ein Jahr lang auf einem wirksamen Niveau bleiben.

Die WHO fordert von einem Impfstoff, dass er mindestens sechs Monate, optimal ein Jahr und länger vor Covid-19 schützt. Tatsächlich beantworten lässt sich das erst nach exakt diesem Beobachtungszeitraum. Die meisten Menschen wurden allerdings erst im Sommer geimpft.

Sie scheinen nach bisherigen Zwischenergebnissen schwere Krankheitsverläufe zu verhindern oder deutlich abzumildern. Wahrscheinlich können die Impfstoffe, die in den Tests bisher am weitesten fortgeschritten sind, die Infektion selbst aber nicht verhindern.

Antikörper alleine scheinen nicht zu reichen

Hinzu kommt, dass bei asymptomatischen Fällen nicht die neutralisierenden und spezifischen Antikörper einen schweren Krankheitsverlauf verhindern haben, sondern vermutlich die sogenannten T-Zellen. Sie können schon früher reagieren, denn Antikörper bildet das Immunsystem erst nach längerer Zeit aus.

Erste veröffentlichte Ergebnisse deuten darauf hin, dass einige Impfstoffkandidaten sowohl die Antikörper- als auch eine T-Zell-Antwort verstärken können. Bislang ist allerdings unklar, wie lange diese Abwehrbarriere effektiv ist. Davon wäre abhängig, wie lange ein Schutz besteht und ob man sich, ähnlich wie bei der Grippe, häufiger impfen lassen müsste.


Ob man nach einer Infektion immun wird, das erklären wir hier.

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