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Gegen die Laufzeitverlängerung des heuer abgelaufenen Atomkraftwerk Dukovany

 

 

  AKW Dukovany

Nur 35 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt steht in Dukovany das ältere der beiden Atomkraftwerke in der Tschechischen Republik. Das Foto oben wurde von einem Hügel in Platt, ca. 10 km südlich (!) von Retz, mit einem starken Teleobjektiv aufgenommen. Links im Vordergrund sieht man die Kirche von Unterretzbach, knapp an der Staatsgrenze zu Tschechien.

Dieses Kraftwerk besteht aus 4 Reaktorblöcken vom sowjetischen Typ WWER-440, dem am weitesten verbreiteten Druckwasserreaktor im Bereich des früheren Ostblocks. Vom gleichen Typ sind zum Beispiel 2 der 4 Reaktorblöcke, die in Bohunice, Slowakei, stehen. Auch Greifswald in der ehemaligen DDR ist vom gleichen Typ. Nach der Wiedervereinigung wurde das Kraftwerk wegen mangelnder Sicherheit stillgelegt.

Die Anlage in Dukovany ist in der Zeit von 1985 bis 1987 in Betrieb gegangen. Das Kraftwerk hat kein Containment (= Schutzhülle aus Stahl und Beton), sondern ein Druck-Abbausystem, dessen Wirksamkeit sehr umstritten ist. Jedenfalls würde ein AKW mit dieser Ausstattung in keinem Land Westeuropas eine Betriebserlaubnis bekommen. Insbesondere ist das Kraftwerk gegen gewaltsame Einwirkungen von außen kaum geschützt.

Nur wenige Kilometer von Dukovany entfernt liegt ein Militärflugplatz. Der Raum über dem Kraftwerk ist zwar zur Sperrzone erklärt. Im Falle eines unkontrollierbaren Absturzes kann jedoch ein Flugzeug eine der sensiblen Einrichtungen der Anlage (Reaktoren, Atommüllager) treffen und Radioaktivität freisetzen. Im Frühjahr 2000 wäre das fast geschehen: ein Jet der tschechischen Lufwaffe stürzte in der Nähe von Dukovany ab. Hätte er ein Reaktorgebäude getroffen, so wäre es wahrscheinlich zu einer Katastrophe gekommen, die mit dem Unfall in Tschernobyl vergleichbar gewesen wäre.

Die Störanfälligkeit des AKW zeigt sich in den jährlich wiederkehrenden Meldungen der tschechischen Atomsicherheitsbehörde SUJB, die für 1996 insgesamt aufgrund der Alterung eine Verschlechterung der Sicherheitsmerkmale feststellte:

  • 1996 ereigneten sich 76 Störfälle
  • 4 der Störfälle wurden mit Stufe 1 auf der internationalen INES-Störfallskala bewertet
  • 9 Störfälle wurden vom Personal verursacht
  • in 54 Fällen lag die Ursache in Mängeln der Anlage selbst (1995: 31)
  • fünfmal war die Betriebsvorschrift fehlerhaft
  • für 10 Störfälle konnte die Ursache schlicht nicht gefunden werden
  • 6 mal mußte eine Reaktor-Schnellabschaltung durchgeführt werden (1995: 1)

Das Jahr 1996 war bisher der traurige „Höhepunkt“ der Störfallstatistik des AKW Dukovany. In den folgenden Jahren wurde ein Verbesserungsprogramm umgesetzt, das die Zahl der Zwischenfälle drastisch senkte. Im Jahr 2000 traten insgesamt 26 Zwischenfälle auf, davon keine einzige Schnellabschaltung. Trotzdem musste bei immerhin 9 Störfällen das elektronische Reaktor-Schutzsystem einschreiten, um Ärgeres zu verhindern. Auch wenn bisher noch kein schwerer Unfall zu einem Austritt von Radioaktivität geführt hat, ist die Vielzahl von Störfällen sehr besorgniserregend. Denn schließlich hat Tschernobyl gezeigt, daß ein schwerer Unfall zumeist eine Folge des Zusammentreffens mehrerer „kleiner“ Ursachen ist.

Als eine weitere Gefahrenquelle kam im Jahr 1995 noch ein Zwischenlager für abgebrannte Brennelemente hinzu.

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